MTP 16 Mythos und Ritual

Shownotes

Aufnahme vom 4.5.2026

Jingle und Musiktipp von Giordano Bruno do Nascimento (https://giordano-bruno-do-nascimento.com)) Jingle: PERPELERISTIKA - für symphonisches Orchester - Aufnahme: MDR Orchester Leipzig Musiktipp: Weimarer Frühjahrstage (https://via-nova-ev.de/?page_id=329))

Türöffner des Monats: DVSM Symposium

// Musik von Jani Christou:

Anaparastasis I "The Baritone" für Bariton und Kammerensemble mit kleinem Chor, 1968 (BR 1977)

Anaparastasis III "The Pianist" für Instrumentalensemble, Zuspielender und einen Schauspieler, 1969 (J. Christou Archiv, Athen 1969), Schauspieler: Grigoris Semitekolo, Ensemble "musik unserer zeit", Lag. Theodore Antoniou

// Kontakt:

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Der Podcast ist ein Projekt des MusikTexte e.V. im Rahmen von MusikTexteOnline

Transkript anzeigen

00:01:36: Herzlich willkommen zum Musiktexte-Podcast.

00:01:39: Mein Name ist Hannah Fink, ich arbeite als Musikwissenschaftlerin und Musiktheoretikerin in Köln und im Ruhrgebiet und mit mir sitzen hier...

00:01:48: Karl Ludwig auch!

00:01:49: Ich bin Musikwissenschaftler und arbeite fürs Radio in Kologne und in Wobathal.

00:01:54: Mein name ist Hannah Otturl, ich bin Sopranistin und ebenfalls Musikwissen- schaftlerin aus Kölnen.

00:01:59: Das letzte Mal haben wir uns mit einem eigentlich auch wieder mit einem Naturthema beschäftigt.

00:02:04: Wir haben über Musik von Lisa Lim gesprochen und einen seltenen Vogel gehört, noch viel mehr.

00:02:11: auf jeden Fall eine irgendwie wie ich finde eine schöne Art, wie man Natur in Musik kooperieren kann und es irgendwie sehr politisch ist ohne dass das allzu auftränkt.

00:02:20: heute beschäftigen wir uns auch mit einer Art Natur, aber auf jeden Fall nicht mit Flora oder Fauna sondern irgendwie so eine Art von menschlicher Natur.

00:02:29: Mehr will ich eigentlich gar nicht sagen, sondern ich würde vorschlagen dass wir anfangen damit Musik zu hören.

00:05:15: Ja

00:06:38: beschreibt doch mal euren Hör Eindruck.

00:06:41: Also ich fand das, was wir gerade gehört haben hatte für mich etwas Superrituelles.

00:06:45: Ich fand die Sprechabläufe super spannend vor allem auch so den Bereich in der Kehle, der genutzt wurde.

00:06:52: es war ja häufig auch ein bisschen so ein Gefühl von jemandem möchte etwas sagen aber es kommt nicht komplett raus.

00:06:58: und da so diesen emotionalen Ablauf zu verschieben vom fast gesagten Nichtgesagten zum Es wird immer mehr eskaliert fand ich sehr sehr emotional oder emotionalisierend.

00:07:12: Ja, auf jeden Fall sowas Theatrales sofort durch diesen Raum der aufgemacht wird, diesen einen stillen Ton.

00:07:22: Sofort entsteht irgendwie so ein Raum wo ganz viel stille Platz hat und diese Silben noch vor dem Sinn oder nach dem Sinn gesetzt werden ganz weiß wo es jetzt hin soll, ob das was bedeuten soll.

00:07:38: Aber es macht irgendwie auch gar nicht so viel habe ich den Eindruck dass man nicht versteht was gesagt wird.

00:07:45: aber ich fand manchmal hat man dann ja doch so fragmente verstanden.

00:07:48: also so manchmal hab ich so farben gehört und das war nicht dann doch spannend weil dieses dass man fast etwas hören könnte oder das gefühlt eigentlich könnte ich das vielleicht verstehen weil da doch sowas nahes ist erweckt ja total die neugierde.

00:08:01: Also ich hatte dann voll das Bedürfnis, das jetzt besser zu verstehen.

00:08:04: Ich hatte auch volles Bedürbnis zu sehen was passiert.

00:08:07: Weil wie du gesagt hast man hat dieses Theatrale gehört und ich bin mir relativ sicher dass man auch irgendwie Bewegungsabläufe oder auf jeden Fall irgendwelche gruppendynamischen Abläufer gesehen hätte.

00:08:18: Ja

00:08:19: also spielt sehr schon mit dieser Schwellereiantist.

00:08:22: Was wir gehört haben war... Anna Parastasis Nummer eins, The Baritone für Bariton und Kammerhausen mit Kleinem Chor.

00:08:33: Geschrieben in den Sechzehnten.

00:08:37: Der Komponist war Janik Christou.

00:08:40: Ja dann würde ich sagen steigen wir auch direkt mit dem ersten Zitat ein was ich mitgebracht habe.

00:08:46: Die Götter flehe ich an.

00:08:48: Erlösung gönnet mir von dieser Pein.

00:08:51: Es wäre nun ein Jahr, dass ich auf meinen Arm gestützt auf der Atrieden-Dach dem Hunde gleich wachend liege.

00:09:02: Der Nachtgestirne schar, glänzende Fürsten hoch im Äther strahlende die Winteruns und Sommer bringen kenne ich wohl.

00:09:11: Stunden des Aufgangs weiß ich wie des

00:09:14: Untergangs.".

00:09:17: Als du vorhin das Zitat gelesen hast, Karl.

00:09:20: Hast du gefragt ob ich endlich meine Hölterlinfolge mache?

00:09:23: Ich seit Folge eins versprochen habe!

00:09:26: Nein wir machen heute keine Hölterninfolge kommt aber noch.

00:09:31: Nein was wir gehört haben entstammt im Grunde einem griechischen Werk und zwar der Oresti von Aishilos.

00:09:41: Kennt ihr mal die Orestii von Aisylos?

00:09:43: Also ich kann es jetzt nicht... in Kurzform zusammenfassen, aber es hat mit der Geschichte von Orest zu tun.

00:09:57: Wie heißt dieses Geschlecht?

00:09:58: Das Artriden-Geschlechter, das haben wir gerade gehört.

00:10:01: Es geht um das Geschlechte Artrinen, dass eigentlich durch eine Generationenfolge von Rache und Blutrache bestimmt wird.

00:10:18: und genau es wird so gemeinhin, glaube ich als das Werk aus der griechischen Literatur genannt wo so ein Übergang vom mythischen in ein juristisches Denken oder sozusagen in ein moderneres Denken vonstatten geht.

00:10:37: Weil zum Schluss die Götter also nicht mehr die Götter richten über diese Unheil sondern einen von den Göttern eingesetztes Gericht und das ist so ein bisschen das, was ich weiß.

00:10:51: Ich würde dem nur noch hinzufügen dass es eine Trilogie ist und so ungefähr aus den Jahren vierhundertsechzig vor Christus entstammt bzw da um den Dreh verortet wird bis wann und woher die Texte alle kommen, das vermarke ich jetzt nicht einzeln aufzudröseln.

00:11:10: Aber es ist auf jeden Fall so dass wir gerade ein Zitat gehört haben aus dieser Orestie geschrieben von eben gesagtem Eischeloss und da ging's ja darum, dass jemand die Götter anfleht, jetzt endlich von seiner Pein erlöst zu werden.

00:11:28: Erlösung gönnet mir von dieser Pein.

00:11:30: Es wäre nun ein Jahr, dass ich auf der atrieden Dach dem Hunde gleich wachend

00:11:35: liege.".

00:11:36: So und warum liegt da jetzt jemand aufm Dach?

00:11:38: Tja!

00:11:39: Da wartet jemand auf einen Schiff das aus Trojan zurückkommen soll.

00:11:44: Ist es nicht klar ob's kommt?

00:11:46: Und was da gesagt wird ist ein Wachmann im Grunde Der auf die Erlösung wartet zu sehen, ob das alles geklappt hat oder nicht.

00:11:56: Dieser Text, den der Solister spricht – der Bariton.

00:11:59: Den hat Janik Christu genommen und seinem Werk unterlegt.

00:12:03: Jetzt haben wir schon sehr viele Wörter benutzt und Hannah du hast eigentlich im Grunde das Wichtigste am Anfang genannt nämlich das des Rituals Und du hast auch gesagt es hört sich so ritualhaft an.

00:12:14: Wir haben auch über so theatralen Raum gesprochen.

00:12:17: jetzt ist die Frage wie kommt ihr denn jetzt von diesem kleinen Ausschnitt direkt auf Theatralität bzw vor allem auf Ritwalität?

00:12:24: Wie kommt das jetzt?

00:12:25: Hat das was mit unseren inneren Vorstellungen damit zu tun, wie wir uns einen Ritual vorstellen oder wie kommt ihr da drauf?

00:12:33: Weil bislang hat man ja was gehört.

00:12:34: Man hat bislange gehört ein... also wir haben bis Minute fünf gesprochen gehört.

00:12:39: Bislang haben wir so Listen gehört der Versuch zu sprechen und dann kurz vor Minute fünf hört man ja wieso mehrere Leute auf einmal loslegen und irgendwie Rabatz machen.

00:12:52: Warum ist es jetzt schon Ritural für euch?

00:12:55: Also vielleicht ist auch wichtig zu sagen, es ist vielleicht so ein bisschen eine exotisierte Vorstellung von Ritual.

00:13:00: Die wir einfach glaube ich oft reproduziert sehen wie wir in Filmen und Medien unseren Rituralvorstellungen aus unserer heutigen Perspektive.

00:13:11: Aber für mich war es diese Zeitlosigkeit oder Taktlosigkeit also ich hatte das Gefühl dass einfach nur kollektive Struktur entstanden ist Kult erinnert eben auch, weil man ja diese Stimmen hatte die aufeinander reagiert haben und ich glaube auch so dieses aus der Kehle heraus dieses Gurgelnde hatte für mich auch schon sowas einfach sehr grundlegendes elementares ein bisschen gefühlt zum Kern.

00:13:38: Und ich glaube also dieses absurde was man darin gehört hat diese Ja was schon fast an so Zwänge erinnerte hat.

00:13:46: das hat mich dahingeführt.

00:13:49: Ich hatte jetzt vor allem die Reduktion genannt als erstes Kriterium, dass ja also das ist einfach sehr reduzierte Abläufe sind.

00:14:04: Das waren ja eigentlich erstmal nur zwei Klänge die in loser Abfolge aufeinander abgestimmt sind und dazu der Sprecher, der auch irgendwie so eine sehr im Zentrum steht allein schon durch die Sprache.

00:14:20: Ja genau ich glaube dieses Monotone hat dann ja fast sowas Hypnotisieren das vielleicht.

00:14:26: Ja auch dieser eine Ton, so ein liegender Ton finde ich macht sofort einen Horizont auf.

00:14:35: also deswegen hatte ich irgendwie sofort das Gefühl da wird ein Raum aufgemacht und Ritual hat eher was mit Raum für mich zu tun als mit Zeit dass dort irgendwie abgegrenzter Bezirk immer entsteht, deswegen vielleicht ist jedes Ritual auch ein Stück weit exotisch als irgendwie anderes.

00:14:57: Aber dieser eine Ton finde ich erzeugt das sofort dass man so in einer Atmosphäre sich plötzlich befindet.

00:15:06: Genau und ich finde ganz am Ende wo wir dann angekommen sind ich glaube ich bei so bei Minute fünf dreißig oder so da gab es ja schon also diesen ersten Ausbruch.

00:15:16: Also wo man das Gefühl hatte, da kam dann viel zusammen.

00:15:18: Aber ich finde es war trotzdem noch irgendwie so ein kontrolliertes Chaos in dem Sinne dass sich irgendwie immer nach einer kollektiven Praxis angefühlt hat.

00:15:29: Hätte jetzt nicht das Gefühl der Schreienleute alleine vor sich hin?

00:15:31: Dann würde ich sagen hören wir mal weiter von Minute fünf bis so Minut zu sieben dreißig.

00:18:31: Ich würde sagen man hat ja hier einen gemerkt, dass das Stück wenn man es so haben will einen weiteren Verlauf nimmt.

00:18:36: Ich habe aber den Eindruck, wenn man dem Stück folgt, dass man auch tatsächlich eher einer Aufführung bei wohnt als dass jetzt so eine... Also ist ganz klar irgendwie so ne Aufnahme wo man gefühlt Dinge nicht mitbekommt.

00:18:49: Das hatte dir auch schon gesagt, dass sich das irgendwie anhört wie eigentlich was was man auch sehen möchte Und das passt tatsächlich auch zu Janik Christus' Auffassung.

00:19:01: Wir hören heute zwei Anna-Parastasis, Nummer eins und Nummer drei.

00:19:06: Das sind zwei sogenannte Wiederaufführungen Also Anna-Parastasis heißt Wiederaufführung Die aufgeführt wurden von insgesamt hundertzwanzig geplanten Dreiunddreißig.

00:19:20: Wiederaufführung, so genannte hat er ja so hinterlassen dass man die noch aufhören konnte.

00:19:25: Tatsächlich ist es so das Janik Christu relativ plötzlich in einem Autounfall gestorben ist und das heißt eigentlich mitten in seinem Schaffensprozess Ja Das Leben verlassen musste.

00:19:39: diese zwei Anna Parastasis Die wir heute hören sind eben die beiden die es noch gibt Und die sind einer Phase in Christus schaffen zuzuordnen, die man so als die dritte und letzte Phase beschreibt.

00:19:55: Und da beschäftigt er sich umso mehr mit Leben und Tod und auch dem Leben nach dem Tod.

00:20:02: Vielleicht können wir der Sache auf die Spur kommen – auch den Ritualgedanken, denen ihr bitte im Hinterkopf behaltet -, wenn ich euch jetzt ein bisschen in die Theorie von Christu einführe, die er um sein Werk sozusagen herum gebaut hat?

00:20:16: Man muss dazu sagen, dass Janik Christou in Westeuropa nach seinem Tod ein bisschen die Rolle des Komponisten hatte der immer so das Okulte und das Magische bedient hat.

00:20:29: Dass er aber tatsächlich Zeit seines Lebens und auch danach in Griechenland eben auch einfach einen Komponent war, der wahrgenommen wurde und auch viel bewegt hat, und dem auch recht viel ermöglicht wurde.

00:20:45: Der internationale Kontakte hatte und ja viel gereist ist und sich durchaus in die Riege von berühmten griechischen Komponisten ein

00:20:56: reinlässt.".

00:20:59: Die Forschungslage zu Christu im deutschsprachigen Raum ist tatsächlich nicht allzu groß muss man sagen.

00:21:04: es gibt so gefühlt einen Buch und eine CD-Bucklet und das war's!

00:21:08: Es gab auch mal ein Symposium.

00:21:10: Aber ja, eigentlich wartet da ein ziemlich spannendes Werk dahinter.

00:21:17: Und vor allem eine ziemlich krasse Theorie wie ich finde die sehr viel mit Mythos zu tun hat.

00:21:22: Kommen wir vielleicht mal zur Sache der Zeitlichkeit.

00:21:26: also Das worum es Janik Christo geht ist derzeit entrückt.

00:21:31: Es spielt außerhalb der zeit heißt es hat nichts mit Geschichte zu tun Wie er sagt.

00:21:40: Ich habe vorhin von Wiederaufführungen gesprochen, es geht also um etwas was wiederholt wird.

00:21:46: Das passt ja auch so ein bisschen zu dieser Frage von okay, Rituale haben so eine Funktion von Abschnittsprägung in wiederholte Muster und so weiter.

00:21:56: aber was meint er denn genau damit?

00:22:00: Christu spricht von Proto-Performances und hat das auch selber erläutert.

00:22:05: Das Zitat, was wir jetzt gleich hören, was Hannah gleich vorliest beschäftigt sich mit der Frage oder geht von dem Punkt aus, dass es bestimmte Muster gibt die wiederholt werden sogenannte Pattern.

00:22:15: Oder auch Master Pattern.

00:22:17: also es gibt immer so Präfixe vor den Wörtern die Christu benutzt Meta- oder Master und das bezieht sich dann auf so ja eher archetypische Formen oder übergeordnete Position.

00:22:28: aber es geht ihm darum zu sagen man versteht die Welt indem wiederholende Muster, wiedererkennt und erkennt.

00:22:37: Und im Grunde auch wieder

00:22:38: aufführt.".

00:22:39: Das ist der Beginn oder das ist der geistige Beginn des Zitats wo wir jetzt starten.

00:23:02: Schlüssel-Performances, die das kraftlos gewordene Masterpattern durch Form des Opfers Leben für Leben wiederbeleben sollten.

00:23:11: Sobald sich der Zyklus erschöpft hatte um es dadurch aufrecht zu erhalten.

00:23:16: Denn das Pattern musste sich ganz einfach immer wieder selbst erneuern wenn Mensch und Natur dies auch tun

00:23:22: sollten.".

00:23:23: So,

00:23:51: kommt ihr da gedanklich noch mit?

00:23:53: Große Wörter, ne?

00:23:55: Das sind schon sehr viele große Wörte und ich weiß nicht wie es euch geht.

00:23:59: Aber als ich angefangen habe mich mit Chris zu beschäftigen hatte ich erst mal so ein paar Fragezeichen im Kopf weil wenn ich diese Aufnahme jetzt anhöre dann höre ich das zwar aber dann stelle ich mir die Frage dass hatten wir auch schon ein paar Mal im Podcast.

00:24:12: okay was hat das denn jetzt mit mir und der konkreten Realisierung dieses Werks zu tun?

00:24:19: Also wo findet die Theorie hier ihren Anklang?

00:24:23: Es geht um diese Pattern, die irgendwie eine Art von Re-enactment auch sein soll.

00:24:27: Eine Wiederholung Aber was ist genau... Hat Hannah ja gerade vorgelesen.

00:24:34: Warum sollte man das tun?

00:24:37: Interessant finde ich dass es mit dem Mythos so eng in Beziehungen steht und dort ja auch immer hervorgehoben wird erst mal auch eine orale Form der Traditionsweitergabe war, in dem sie erzählt wurde und dass der Mythos eigentlich ein Geflecht ist von Dingen die alle aufeinander verweisen.

00:25:08: Und sozusagen immer wieder reaktiviert werden müssen durch das Erzählen und sich so Mythen bilden Und nicht indem sie in ein Buch geschrieben werden und dann lesen das alle, sondern indem es Beziehungszusammenhänge- und Bezugsnetze ausbildet.

00:25:26: Deswegen sozusagen eine Realitätschaft also insofern einer Vorform der Logik oder der Vernunft ist oder wie auch immer, indem Sie Realitäten schafft.

00:25:41: Insofern passt das sehr gut mit der Wiederholung.

00:25:44: einfach dieses was vielleicht die Kunst überhaupt Möchte.

00:25:48: oder so könnte ich mir vorstellen, dass es so wesentlich ist für Christu.

00:25:55: Dass die Kunst sozusagen diese Realitäten immer wieder erzählt und schafft und neu ausbildet und das er auf dieser Ebene der Individuholung einsteigen möchte sozusagen.

00:26:10: Weil erwähnt ja auch die Rolle des Opfers in Klammern Leben für Leben was ich spannend fand.

00:26:17: Siehst du das auch dann als Teil dieser Wiederholung?

00:26:19: Irgendwie war das ein Punkt, den ich am schwersten darauf sehen konnte.

00:26:27: Ja, das Opfer ist eine schwierige Sache.

00:26:29: Das kann nicht auch schwer einordnen aber auf jeden Fall irgendeine Form von Nahrung an diesem Kreislauf und dass der Stoff braucht.

00:26:45: Ihr wart mit dem Gedanken zum Opfer sehr gut auf der Spur Weil zum Ritual gehört auch gerne ein Opfer, was man bringt oder auch darbringt.

00:26:56: Je nachdem wie Christlich man es ausdrücken möchte oder religiös.

00:26:59: Auf jeden Fall ist sich die Forschung darin einig dass auch Christu in seinen Stücken Opfer darbringen möchte nämlich insofern das er Dinge zerstören möchte.

00:27:08: also das Opfer ist sozusagen in seiner Musik enthalten oder möchte er mit seiner Musik Schaffen und er selber nennt das eine Musik der Konfrontation.

00:27:20: Eine Musik, die auf die erstickenden Auswirkungen ja den Terror unserer alltäglichen Lebenserfahrung zu starren sich vornimmt.

00:27:30: Eine Musik, die nicht versucht der erbarmungslosen Schemenhaftigkeit zu indrinnen mit der sich diese Erfahrung immer wieder abspult Sondern ihm geht es darum... Die dieser Erfahrung nicht bloß zu entkommen versucht, sondern die ihre Formen aufspürt.

00:27:46: Sie regelrecht auffrisst und wieder ausspalt – wie Träume es eben tun!

00:27:52: Das kann auch gerne subtil passieren.

00:27:54: Das muss jetzt nicht mit dem Schlaghammer offensichtlich passieren, sondern Stichwort träume.

00:28:00: Christus Bruder hat bei CG Jung gearbeitet und er hat sich viel auch mit Jung beschäftigt Ergo auch sehr viel sich mit seinen Träumen auseinandergesetzt und im Laufe seines Lebens, vor allem aber in dieser späten Phase angefangen vermehrt Träume aufzuschreiben.

00:28:16: Und sich mit dem Mond zu beschäftigen weil das schlimmste was in Christus Welt passieren kann ist die Mondfinsternis.

00:28:22: Die Angst vor der einer Mondfinstanist ist dass was Christu antreibt und diese Wiederaufführungen über die wir die ganze Zeit sprechen sind im Grunde ein Versuch einen Mythos wieder zu erschaffen.

00:28:37: Also das ist jetzt was wir hören oder was er da geschrieben hat, die Musik, die man dann erfährt wenn man eine Aufführung ein Re-enactment einer Anastaparasis beiwohnt, ist keine Diskription sondern es soll eine eigene Energie entstehen so ähnlich wie Energie die beim Träumen entsteht und das kann... Jetzt kommt nämlich der Punkt nicht rational erklärt werden.

00:29:01: Das steht außerhalb der Geschichte.

00:29:04: Es folgt im Grunde auch keinen Regeln und sagt er selber auch, das finde ich ziemlich reflektiert.

00:29:09: Er sagt ja wie in der Alchemie die Bestandteile mögen gebräuchlich sein aber die Gesetze ihrer Synthese bleiben im Dunkeln.

00:29:17: oder Zitat wie beim Ritual für die einen funktioniert's Für die anderen jedoch stellt es bestenfalls eine Zeremonie dar.

00:29:27: Christu versucht also in diesen Wiederaufwörungen eine Energie herzustellen zwischen dem Publikum und den, ja sagen wir vielleicht Zeichen.

00:29:35: Also ich glaube dass dieser Rückgriff auf so meta Super-Patterns der Welt nicht direkt für ihn funktioniert sondern er versucht durch diese Anastaparasis die Psyche zu triggern sodass wir überhaupt erst in diese Möglichkeit geraten, uns wieder in so einen Kreislauf zu bewegen.

00:30:00: Ich wollte kurz fragen mit diesem Horror der Wirklichkeit den er versucht in dieser Energie zu übernehmen oder so?

00:30:14: Also heißt es aber gleichzeitig sagt er die Formen in denen durch die er das übernimmt sind eigentlich nicht ganz festzulegen oder zumindest nicht dieselben Formen wie die, die den Horror hervorrufen.

00:30:32: Oder Die der Horror in uns hervor ruft.

00:30:35: also das habe ich noch nicht so ganz verstanden wie jetzt sozusagen Das schlechte in der welt mit seinem werk in verbindung steht.

00:30:47: ja Ich glaube, das Schlechte in der Welt ist sozusagen was den Alltag ausmacht.

00:30:53: Also so ganz archetypische Erfahrungen wie Geburt, Wachstum, Zerfall und Tod.

00:31:00: Und das bezeichnet ja als verschüttete Symbole die es immer noch gibt.

00:31:10: Mit dieser Musik der Konfrontation geht's eben darum... dass er das, was wir in unserer alltäglichen Welt für Wirklichkeit halten.

00:31:20: Dass er das zerstöckeln möchte also ersucht Beklemmung Terror Konfrontation auf der Suche nach der Struktur der Wirklichheit Das Modell eines Albtraums der Erfahrungen verschluckt um sie verändert hinaus zu bürgen.

00:31:38: Also es geht um Desintegration.

00:31:40: und jetzt kommt auch der Moment wo wir in der Realität wieder ankommen weil Es ist auch durchaus Meinung gibt, dass Christu ein Kind der Sechziger ist.

00:31:50: Also Bruch mit dem Konzertbetrieb... ...bruch mit den Konventionen.

00:31:57: Auch durchaus so multi- interdisziplinäre

00:32:04: Konzerterfahrungen.".

00:32:05: Ja das mag sicher richtig sein aber wenn ich mir dieses Zitat dann so anhöre, würde ich als Letztes darauf kommen antike griechische Mythen als Züge für seine Werke verwendet, sondern dann geht es ja eigentlich darum sozusagen unser alltägliches Leben zu dieser quasi bedeutungsschwangeren Erfahrung eines mythischen Blickes zu bringen oder so.

00:32:39: Oder in seiner Grotesken und irgendwie ungesunden oder quasi unbewussten Form so zu intensivieren, dass diese ganze Groteske uns sozusagen erst mal auffällt.

00:32:58: So würde ich mir das jetzt vorgestellt, aber wenn er jetzt zu den griechischen Mythen zurückgeht dann frage ich mich wo ist der Bezug sozusagen?

00:33:11: Auch in seinem Text Abschnitt The Luna Experience also Das mit der Wohnfinsternis geht es darum, dass er ein Weg der Menschheit beschreibt.

00:33:21: Also ihm geht's schon um das ganze große oder umgekehrt ums große Ganze in dem man nämlich sagt, dass die Menschheiten ziemlich einen Weg zurückgelegt hat.

00:33:32: Er spricht sogar von der Vorgeschichte der Menschhalt und sagt, dass wir sozusagen als Menschen auf einer spirituellen oder geistigen Ebene uns immer weiterentwickelt haben.

00:33:41: Und das wir aber so... Ja, das kennt man jetzt auch aus anderen Erzählungen, ne?

00:33:45: Dass man sozusagen die Verbindung verloren hat teilweise heute!

00:33:49: Und er bezweifelt, dass Wir uns gerade weiter bewegen Auf dieser Achse, die er ziemlich linear ja zieht Also eine Achse der Menschheitsentwicklung.

00:34:03: was passiert, damit man die Verbindung wieder herkriegt.

00:34:06: So sehr konkret macht er das jetzt nicht fest.

00:34:10: Er nimmt halt dieses Beispiel von einer Eklipse aber ich glaube er empfindet den Zustand als ein ausgeliefert seines Menschen zu etwas wo er keinen Einfluss mehr drauf nehmen kann.

00:34:29: Und deswegen versucht er durch diese Proto-Performances an dieser alten Muster ranzukommen, die sozusagen dafür sorgen dass wir uns immer wieder erneuern.

00:34:37: So habe ich das gelesen.

00:34:38: Sicherlich kann man das aber auch woanders lesen.

00:34:40: also Er spricht von der Art und Weise der Natur mit den Schrecken besagter Natur umzugehen oder auch mit den schrecken der Menschheit.

00:34:50: Der Grund für diese Zitat natürliche Reaktionsweise der im Menschen liegenden Natur liegt in der dem Menschen angeborenen Fähigkeit seiner Seele.

00:35:02: Man könnte sagen, dass die Entwicklung der Seele und die Entwicklung des Mythos zwei Aspekte ein- und desselben Prozesse

00:35:07: sind.".

00:35:08: Also ich hätte es jetzt nachdem was du gesagt hast dann das geht ihm sozusagen um die Formen des griechischen Mythos und er nimmt den Text und verfremdet ihn um an diese formale.

00:35:31: Aber in diesem Bucklet zu der Aufnahme, die wir gerade gehört haben, steht drin das einzelne vom Dirigenten gesprochene Wörter Verkehrssignale sind von Verkehrsampeln.

00:35:43: Und dass der Text, der vom Ensemble gesprochen wird aus Sicherheitsanweisungen besteht Zitat, die die Bedeutung der Alarmsignale eines Schiffes auf hoher See erklären.

00:35:55: Der Bezug zum Jetzt ist schon da, aber natürlich auch zum Zitat.

00:35:58: Wie gesagt der Wachmann sitzt auf dem Dach und wartet, dass er endlich erlöst wird.

00:36:03: Dann kommen diese Verkehrsignale die dann irgendwie auf eine ganz bestimmte Art und Weise rezitiert werden?

00:36:09: Ich finde es nur spannend weil ich habe ja am Anfang gesagt das ich Farben gehört hab und jetzt macht das viel mehr Sinn Grün gehört.

00:36:17: Und dann eben, als wir ab Minute fünf dreißig gehört haben habe ich Yellow gehört.

00:36:21: also ich glaube da sind die Farben und die Verkehrs-Signale.

00:36:25: jetzt macht das für mich auch Sinn.

00:36:27: auf einmal

00:36:28: Ja, dann hören wir mal in das andere Beispiel rein nämlich Anna Parastasis Nummer drei The Pianist Für Instrumentalaussammel Zuspielbänder und einen Schauspieler.

00:36:39: Die Zuspiel bender kommen aus dem Janine Christour Archiv.

00:36:42: Das ist in Athen.

00:36:44: Als Entstehungsjahr wird das Jahr neunzehnhundertneuensechzig angegeben.

00:36:48: Auch hier hören wir das Ensemble Musik unserer Zeit unter der Leitung von Theodore Antonius und der Schauspieler war Grigoris Semitikolo.

00:39:24: Noch mehr runtergebrochen, also für mich war die Entwicklung noch langsamer und ich glaube während des Jahr vorher hatte ja gesagt es fühlt sich an wie jemand der versucht was auszusprechen aber ist nicht ganz artikulieren kann war's jetzt wirklich nur ein reines Leiden.

00:39:39: Also immer so ein Wechsel für mich zwischen Schmerzen und nochmal so einem Drücken, aber wirklich ja kaum noch laut Und auch die Instrumentation war für mich noch mehr minimiert.

00:39:52: Ja für mich war es noch mal so ein bisschen was auf die Spitze treiben von dieser Unfähigkeit der Kommunikation, die wir in der ersten schon gehört haben.

00:40:02: Ich fand's auch deutlich dunkler irgendwie.

00:40:04: also nochmal Beim anderen hätte ich das jetzt nicht so bedrückend empfunden, aber bei dem war es doch sehr deutlich Horror beladen irgendwie.

00:40:19: Total!

00:40:21: Ja da kam dann eben auch relativ lauter Ausschreie.

00:40:25: Ich glaube dass Band hat dafür gesorgt... noch mal ein bisschen ja vielleicht unheimlicher wirkte.

00:40:32: Christu hatte sehr viele Zuspielbänder und hat auch anscheinend nicht so ganz genau angegeben, wann was wo wie kommt?

00:40:38: er hat sich dann in seinem eigenen Archiv bedient und das hat es eben auch schwer gemacht diese ganzen Sachen so aufzuführen, weil er auch gerne immer bei den ganzen Aufführungen dabei sein wollte.

00:40:52: Weil es ihm um mehr ging als nur eine Ausführung einer fertigen Partitur sondern es ging ja auch darum dass dieses Moment des Gemeinsamen und dadurch auch die Möglichkeit Emotionen überzubringen und etwas Realität in der Musik, in der Ausführungen werden zu lassen hat er sich als unverzichtbar gesehen und das macht natürlich die Aufführungen oder Wiederaufführungen dieser Stücke natürlich schwer.

00:41:20: Es ist auch so, dass fand ich ganz spannend, dass Christu gesagt hat, dass zum Beispiel in seinem Werk Mysterion gibt es ein Vorwort und das soll dann in der jeweiligen Sprache des Landes recitiert werden, in der das Stück aufgeführt wird.

00:41:36: Natürlich damit eben die Menschen erreicht.

00:41:39: Ja, in dem Fall gibt es eine Aufnahme aus Dänemark.

00:41:43: Das ist aus seinem Todesjahr.

00:41:44: also die Aufführung in Dänemark konnte nicht realisiert werden eben weil er dann diesen Autounfall hatte.

00:41:51: aber das Lustige ist fand ich dass dieses Tonband was vorher aufgezeichnet wurde mit dem Text der auf Danish recitiert wird ähnlich klingt wie der Vorspann zu Lars von Trias Riget.

00:42:05: Also dieser Krankenhaus Horror Serie Ja, die ja doch ganz lustig ist.

00:42:13: Um es zusammenzufassen Christu spielt mit der Panik vor der Unlösbarkeit des Problems menschlicher Existenz.

00:42:22: Zitat Ende.

00:42:25: Wie es heißt ein gigantisches Bühnenritual für Schauspieler, Sänger, Tänzer, Chor, Orchester Tonband und visuelle Effekte.

00:42:45: Das heißt wir haben hier wirklich so diese Idee von einem Gesamtkunstwerk.

00:42:49: Es gibt auch Pläne von Christu wie er in einem Teil von Griechenland ein ganzes Areal bauen lassen will inklusive Aufführungsort und Wohnungen.

00:43:01: Das heißt, das ist schon alles sehr gesamtheitlich angelegt.

00:43:04: Und er versteht es als eine Praxis oder auch als Metapraxis.

00:43:09: Demgemäß wundert nicht wie die Partituren so gestaltet wurden.

00:43:13: Er hat im Grunde Skizzen geschrieben... Teilweise sind da einfach Pictogramme drin, zum Beispiel habe ich euch hier ein Beispiel mitgebracht.

00:43:23: Man sieht hier vier Gesichter und man sieht ein wütendes Gesicht, ein ängstliches Gesicht, Aggressivität sieht man und ein lachsmiley.

00:43:34: also es ist so eine Art von frühem Smily, so ein frühes Emoji im Grunde.

00:43:39: Ich hab euch auch einen anderen Beispiel einer Partitur mitgebracht.

00:43:44: Das ist ein Auszug aus der ersten Anaparastasis Und vielleicht können wir für unsere Zuhörer und Zuhäuerinnen beschreiben, was wir da so sehen.

00:43:53: Also es gibt eine Zeitnotation wo die Minuten- und Sekunden markiert sind durch senkrechte Striche und dann eben auf der horizontalen Linie der Ablauf der Klänge dargestellt wird und zwar grafisch im Großen und Ganzen.

00:44:14: also es sind verschiedene Abschnitte, also verschiedene Schichten für verschiedene Instrumente und dann so Notenkopfähnliche Gestalten mit aber ganz langen Schweifen.

00:44:28: Und dann gibt es auch so Dynamikangaben.

00:44:31: Aber hier sind irgendwie acht oder zehn Forte hintereinander.

00:44:35: Ganz viel Textbeschreibung.

00:44:38: Dann so Keile die sich auch überlagern und eher sehr eng aufeinander liegen.

00:44:44: Dann senkrechte Keile Und dann wieder schräge und dann so Dreiecke.

00:44:52: So ein kleines Menneken, der eine Trommel haut und dann steht daneben maximal Ferocity... ...und dann so einen Notenlinienstrang mit ganz vielen, ganz kleinen, ganz schnellem Hälsen aber ohne Köpfe drauf.

00:45:14: Ich weiß nicht, siehst du nur was?

00:45:16: Ja, ich finde auf der nächsten Seite erinnert es mich schon fast so ein bisschen an Cathy Bebarian oder so.

00:45:21: Weil's wirklich total grafisch wird.

00:45:22: also man sieht dann auch so'n Männchen was nicht bewegt Man sieht auch so Feile von dem Männchenausgehen die so eine Bewegung darstellen sollen und dann ist das umgegen mit so den griechischen Alphabet Und da drüber steht Body Voice Quake Was sich ne coole Bezeichnung findet.

00:45:38: Genau also Darunter folgt dann noch einige Texteben zu actionen und zur voice.

00:45:44: Aber Ja, ich finde es erst mal visuell sehr ansprechend.

00:45:47: Also es auf jeden Fall lässt ja genügend Raum dafür dass man dann gemeinsame arbeiten kann was dann so passiert.

00:45:51: aber das ist trotzdem also eine grafische Notation mit Zeitangaben

00:45:55: Aber schon einigermaßen unklar.

00:45:58: wenn man jetzt nur das hätte wäre es ziemlich offen oder?

00:46:04: Ja genau!

00:46:05: Es gibt teilweise je nach den Stücken auch noch Vorworte die so ein bisschen mehr einführen und da gibt's natürlich auch sozusagen die Textgrundlagen wie jetzt dieses Zitat aus der Oristie von dem Wachmander auf dem Dach, wo man dann vielleicht auch weiß in welche Richtung es geht.

00:46:22: Aber klar das ist das was das Werk von ihm so schwierig macht aufzuführen.

00:46:26: Das ist vielleicht auch ein Grund warum sein Werk so wenig rezipiert wird oder auch von der Forschung sozusagen im westeuropäischen Raum ja behandelt wird vielleicht auch ne?

00:46:37: Weil wie soll man da durchsteigen?

00:46:40: Ich habe das heute mitgebracht weil ich dass ein Beispiel fand, wo ich nicht so genau wusste wie ich das Ritual einzuordnen habe.

00:46:54: Also wie soll... Ich bin so ein bisschen bei dieser Musik muss ich sagen oder bei dieser Das ist ja Ja Ist das jetzt schon Musik?

00:47:00: Kommt natürlich einem auch die Frage.

00:47:03: Darauf hat er natürlich auch eine Antwort.

00:47:05: Musik wird es erst wenn alle Momente zusammenkommen und es eine Synthese gibt mit einer Wirkung wirken kann, die man auch nicht verstehen muss.

00:47:14: Und in dem Moment gibt es dann die Musik.

00:47:16: aber auch dass man sich das so von der cd anhört weiß ich nicht.

00:47:21: Das wäre eigentlich auch der entscheidende punkt der mir so gekommen wäre.

00:47:25: dass glaube ich gerade wahrscheinlich bei so einem charismatischen mensch irgendwie auch oder so ein Dass da dieser aura die der schafft auch dazu gehört und ist weniger jetzt im werk Oder an den klängen selbst liegt als in der Inszenierung und auch in den Orten und Räumen, die man schafft um so eine Konfrontation oder einen Schock herzustellen.

00:47:54: Insofern würde ich auch denken ist es irgendwie wäre es verfehlt darin selbst jetzt in dem Werkbegriff nach dieser allesumfassenden Bedeutung zu suchen, die die Antwort auf all unsere Probleme oder das unlösbare Problem der Existenz ist sondern letztlich geht es halt darum, wie es dann aktualisiert wird und ob's aktualiziert wird oder nicht.

00:48:21: Und das ist kein Problem allein von Janik Christu würde ich mal behaupten.

00:48:25: also Ich habe oft das Gefühl wenn so Kompositionen behaupteten sie würden die Fragen der Existenz berühren Dann kann es auch schnell zahnlos bleiben Wenn eben dann doch dass nur das bürgerliche Konzertpublikum hört, wie schon seit zweihundert Jahren oder irgendwie dieser Kontext nicht dazu passt was man eigentlich sagen möchte.

00:48:50: und insofern finde ich es dann schon wieder konsequent dass Christu das irgendwie so stark einbindet in seine Konzeption.

00:48:58: Du hast ja auch gerade so ein bisschen auf das Medium der CD oder die Aufnahme angespielt Und ich glaube, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, nutzt er ja die Aufnahmen dann aber auch teilweise wieder in anderen Produktionen oder?

00:49:11: Also Teile werden immer voraufgenommen sein.

00:49:14: Deswegen, ich finde es legitimiert dieses Medium für die Nachwelt nochmal mehr.

00:49:17: und wie wir heute schon erwähnt haben wissen wir nicht was aus diesem Werk noch geworden wäre.

00:49:22: hätte er da seine Vorstellung oder seinen Övre irgendwie noch vollenden können?

00:49:27: Ich muss sagen... Wir hören uns jetzt ja hier häufiger Aufnahmen an, wo wir immer sagen okay das passiert eigentlich noch das auf der Bühne oder da passiert eigentlich auch das.

00:49:35: und dafür muss ich sagen hat mir das Hörerlebnis schon wirklich sehr gut gefallen weil es eben du musst nicht vorher sagen dass dann auch was passiert weißt Du sondern man hat es einfach man hat ist schon so erahnt und irgendwie diese Assoziationsräume die sich da geöffnet haben haben glaube ich genau das transportiert was er auf jeden Fall wollte.

00:49:54: Würdet ihr sagen dass solche Musik altert?

00:49:57: Ja Weil ich glaube, unsere Vorstellung von was ein Ritual ist oder von wie das aussieht wird sich ja immer weiter verändern.

00:50:05: Ja schwierige Frage natürlich.

00:50:08: allein schon die Tontechnik bringt so ein gewisses Geschmäckle rein auf der anderen Seite dieser Stimmlaute des Stöhnen und irgendwie im Hals stecken bleibende Silben.

00:50:25: Ich habe schon das Gefühl dass Dass nicht ganz aussichtslos ist, dass damit so ein Kern berührt wird.

00:50:32: Da tatsächlich auch eine Zeitlosigkeit besitzt

00:50:35: um meine eigene Frage zu beantworten würde ich auch tatsächlich eher in die Richtung von Karl gehen.

00:50:41: weil also klar was so technische Sachen angeht dann altert das natürlich.

00:50:45: aber Ich weiß nicht.

00:50:46: ich hätte das Gefühl das kann ich mir auch noch in fünfzig Jahren anhören.

00:50:49: und trotzdem ist so dieses gefühl von jemand will etwas sagen und kriegt es nicht raus.

00:50:54: Und so ein Unbehagen oder irgendwie, da wird eine Spannung erzeugt und alle warten auf irgendwas.

00:50:58: Auf einmal schreien einen Kollektiv von Menschen, das wir Chor nennen.

00:51:02: Aber es ist... Schreibt so einem Kollektif von Menschen einfach wild drauf los?

00:51:07: Dann ist auch wieder Ruhe und dann ist so ein Warband zu hören!

00:51:13: Ich finde schon dass sich das in so einer Ja, vielleicht hat das auch was mit kulturellem Gedächtnis zu tun ehrlich gesagt.

00:51:19: Also wir sind jetzt auch allesamt weiß und westeuropäisch.

00:51:22: Das heißt es... aber ich finde dass sich das in unser westeuropeisches weißes Kulturelles Gedechnis ganz gut einpasst.

00:51:32: So ne?

00:51:32: Ich musste dann auch sehr daran denken, dass da früher die in der Artike die Leute von so einem Universal-Summen theoretisiert haben, was irgendwie im Universum darum schwirrt so mathematisch versucht wird, zu erreichen und dann die Musik warbar durchs Universum.

00:51:51: Also so diese... dass das alles für mich in eine Kategorie von... auf jeden Fall von Musik gehört wo es eher immer ums Metafysische geht und nicht um was man jetzt eigentlich da vor sich hat.

00:52:09: Und ich glaube tatsächlich aber auch, dass das in dem Fall bei mir auch funktionieren würde wenn ich das jetzt alles vorher nicht gewusst hätte.

00:52:17: Ja, das auf jeden Fall.

00:52:18: Ich glaube bei mir auch... ich glaube der Punkt wo ich das Gefühl habe dass es dann doch altern kann ist eben genau auf dieses kollektive Gedächtnis zurückbezogen.

00:52:27: weil zum Beispiel wir haben ja die forschung des Neandertaler so teil gegrölt haben und jetzt gibt's aber diese forschungen die sagt neandertale hatten wahrscheinlich sehr sehr hohe stimmen und zb.

00:52:36: sowas ist ja voll in unserer forschlung von sowas Dann mit drin.

00:52:39: Und ich kann mir vorstellen, wenn sich die Forschung dann einfach verändert?

00:52:42: Wie sahen solche Rituale wirklich aus?

00:52:44: Wer hat sich das abgespielt?

00:52:45: Wenn sich unsere Forschung von Klangen und Stimme verändert... ...dann ist vielleicht so dieses Kellige irgendwann gar nicht mehr das was wir damit assoziieren.

00:52:52: Ich glaube aus der Richtung wissen wir nicht wie sich das verändern wird aber ich glaube damit würde es auf jeden Fall altern.

00:52:57: Da stimme ich dir auch zu.

00:52:59: Aber ich würde vielleicht noch mal versuchen stark zu machen, dass es auch nicht widerspricht.

00:53:06: Dass innerhalb solcher Rituale auch Momente der ja so Urmomente entstehen die eine gewisse Zeitlosigkeit beanspruchen und das muss nicht in grauer Vorzeit sein sondern das sind glaube ich strukturelle Momente die in solchen ritualisierten Formen dann entstehen.

00:53:35: Und wie die aussehen, wissen wir natürlich nicht.

00:53:37: Aber ich glaube das worauf dann was man darin vielleicht ahnt ist schon auch immer wieder vergleichbar.

00:53:45: Ich frage mich einfach grundsätzlich bei Musik die so sehr auf Ritualen hinzielt oder dass zum Thema macht ob das was damit erreicht werden soll überhaupt funktioniert, weil es ein Ritual ist was ja im Grunde trotzdem aufgeführt wird.

00:54:01: Also Christu sagt ja eigentlich dass er das... Das ist keine Wiederaufführung von irgendwas ist, was man einfach nur wieder aufführt.

00:54:07: also aber nur weil er das halt sich wünscht oder sagt gehen die Leute ja trotzdem zu einem Ort zu einer bestimmten Uhrzeit und sagen wir hören uns jetzt Janik Christuan der macht Ritural Und das ist ja etwas anderes als wenn ich jetzt jede Woche zum gemeinschaftlichen singen gehe oder mir halt die Seele rausschreihe und dadurch mich befreit fühle, oder irgendwas näher.

00:54:29: Also das ist ja so.

00:54:30: das Grundproblem immer, dass was wir heute als Ritual bezeichnen würden vielleicht etwas ganz anderes ist als das, was man so als Rittual sieht.

00:54:41: Und ich weiß auch nicht ob dieser Rückgriff dann immer auf die Antike so hilfreich ist wenn gleich das intellektuell natürlich total nahe liegt.

00:54:51: Ja... Das fand ich auch direkt als er, glaube ich irgendwo geschrieben hat den Mythos wiederherstellen oder so.

00:55:00: Es ist einfach für dich allein nicht möglich lieber Herr Christu und deswegen eben dieser ja so einen Größenwahn steckt dann natürlich auch drin wo sich jemand seine Welt wie der Heile baut aber am Ende eben doch das Konzert auch wieder endet nicht mitmachen, oder?

00:55:22: Also genau das begrenzt es einfach.

00:55:25: Deswegen fand ich's auch spannend.

00:55:26: jetzt gerade die Gegenüberstellung er möchte etwas wieder herstellen aber er möchte dass das dann wieder nicht wiederholbar ist.

00:55:32: ja also für mich sind da schon aus ein paar Widersprüche in sich.

00:55:36: Aber überhaupt diese Gattung des re-enactments ist natürlich schon auch ein sehr großes Thema geworden wahrscheinlich nach Christu erst schätze ich mal und aber auch ganz spannend, glaube ich gerade vor diesem Hintergrund was er dort angedeutet hat mit sozusagen außerhalb der Zeit oder das etwas widerklärt.

00:56:00: Und ja vielmehr nur gerade ein dass es eine große Renaissance oder ein großer Trend gewesen ist in den letzten Zeiten.

00:56:13: Ja, überhaupt auch diese Lunarexperience die er da angesprochen hat also alles was mit Monphasen zu tun hat.

00:56:21: Das hat ja jetzt auch ich glaube dass das nie wirklich aufgehört hat.

00:56:25: Also auch die ganze Steinerecke und so weiter und die Bedeutung die der Mond in dieser kulturellen Richtung hat ist ja auch nicht abgenommen im Grunde sondern wird ja auch weiter tradiert.

00:56:41: Ist halt nur die Frage wo man genauer hinguckt Vielleicht.

00:56:45: Und ja, ich würde dir zustimmen dieses Ganze sich zurückbesinnen auf... Ja, ich weiß auch nicht ob das eine reaktionäre Reaktion einer kapitalistischen Gesellschaft ist die die Umwelt zerstört und gleichzeitig versucht irgendwie damit klarzukommen glaube ich schon dass das durchaus so ne Rückbesinnung auch nach sich gezogen hat.

00:57:10: Obwohl das Wort Besinnungen mit Vorsicht zu genießen ist, will ich jetzt mal behaupten Ja vielleicht dazu Ja, also heute gar nicht so viel Musik aber dafür viel Konzept.

00:57:26: Ich hoffe ihr konntet was mitnehmen!

00:57:28: Wie in jeder Folge hören wir jetzt noch einen kleinen Tipp von der Person die auch den Jingle verantwortet hat.

00:57:36: Hallo Giordano Bruno Donascimento hier der Komponist wohnhaft im ICE mit Zwischenstopps in Hamburg und Weimar.

00:57:43: Mein Tipp des Monats kommt aus Weimar Die Weimarer.

00:57:46: früheres Tage für zeitgönnische Musik.

00:57:49: Enttagt habe ich das Festival damals als Student in der Hochschule für Musik Franz List und was mich bis heute beeindruckt, die Viehfalt.

00:57:58: Große Namen, bekannte Werke direkt neben Ohr Aufführungen, direkt neben New Carmas.

00:58:03: Das ist selten und wertvoll!

00:58:06: Dieses Jahr vom Elften bis Vierzehnten Juni in Weimar sehr empfehlenswert.

00:58:13: Und jetzt kommen wir wieder zu unserem Türöffner des Monats und zwar wollen wir dieses Mal ein Call for Proposals mit euch teilen.

00:58:21: Und zwar ist das vom DVSM Musikwissenschaften und Musiker in Audita.

00:58:25: Critical Musicology zwischen Kalonizität, Lehre- und künstlerischer Praxis ist das vierzigste DVSM Nachwuchs Symposium und bis zum dreißigsten Sechsten könnt ihr euch unter musika.inauditaatudk-berlin.de bewerben.

00:58:41: Ja, dann danke euch beiden fürs hören und zuhören und mitdenken und reflektieren.

00:58:48: Und wir hören uns das nächste Mal!

00:58:51: Bis bald!

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