MTP 17 "Voices from the Killing Jar"
Shownotes
Aufnahme vom 08. Juni 2026
Jingle und Musiktipp: Jacqueline Butzinger Türöffner des Monats: Klangspuren Creators Lab 2026 https://klangspuren.at/education
Stückinfos: Kate Soper: "Voices from the Killing Jar" (2008) für Sopran und Ensemble Aufführung: Wet Ink Ensemble, Score Follower https://www.youtube.com/watch?v=LCAt4mKhCpY
Kate Soper: https://www.katesoper.com Wet Ink Ensemble: https://www.wetink.org
Besprochene Sätze: I. Prelude (May Kasahara) IV. Midnight's Tolling (Lucile Duplessis) V. Mad Scene (Emma Bovary) VIII. Her Voice is Full of Money (Daisy Buchanan)
Wir sprechen über: Die vier weiblichen Figuren in Gefangenschaft ohne Ausweg Die Metapher des Killing Jar (Todesglas) Extended Vocal Techniques als künstlerische Aussage: Vocal Fry, Tremolo, Glissando, Air Sounds, Fragmentation Live-Processing mit Max/MSP Patches, Spektralverzögerung, Vocoder-Effekte, Distortion Das Mikrofon als aktives Klang-Material Entleiblichung (Disembodied Performance) Stimme als einzige Macht Keine Auflösung, keine Befreiung, keine Hoffnung am Ende Aktualität: Historische, mythologische und literarische Frauen werden ins Jetzt geholt
MeToo und #NeverAgain Bezüge
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Der Podcast ist ein Projekt des MusikTexte e.V. im Rahmen von MusikTexteOnline
Transkript anzeigen
00:00:32: Herzlich willkommen hier zurück an Gisela's Küchentisch.
00:00:35: zur Folge siebzehn des Musiktexte-Podcast.
00:00:38: Ich bin Hannah Otto, Sopranistin und Musikwissenschaftlerin aus Köln und mit mir sitzen heute wieder hier ...
00:00:43: Karl Ludwig, Radioautor in Kölnen und Wuppertal...
00:00:47: Und Hannah Fink, Musikwissenschafterin und Kulturmanagerin.
00:00:50: Ich arbeite im Ruhrgebiet und in Kologne.
00:00:53: Letzte Folge haben wir uns mit Janik Christu beschäftigt.
00:00:57: Eigentlich war das noch so ein Ausläufer von dem Horror-Thema, was wir vor einiger Zeit hatten.
00:01:02: Und genau, Janik Christou hat sehr viel über Mythen und Ritual geschrieben, Texte und Musik.
00:01:09: Wer es noch nicht gehört hat, roicht mal rein.
00:01:11: Es ist irgendwie sehr musiktheatral fast geworden.
00:01:14: Ich habe mir für heute auch gedacht dass ich es auch mal ein bisschen anders angehe inspiriert von dem Ritual und zwar hab' ich euch hier acht Karten mitgebracht Und die könnt ihr einfach mal zusammen umdrehen und vielleicht das vorlesen was darauf steht
00:01:29: Eine nach der anderen?
00:01:31: Mhm Du darfst anfangen.
00:01:33: Ah welche nehme ich denn?
00:01:34: Ich nehm so eine kleine Schmaler Hier steht Mei Kasahara
00:01:38: Bei mir steht drauf Isabel Archer.
00:01:42: Aha, nehm ich jetzt mal so eine große Emma Bovary.
00:01:46: Oha!
00:01:48: Das ist doch Literatur?
00:01:49: Ich hab Iphigenia.
00:01:52: auf Tauris heißt das immer, ne?
00:01:54: Ja Daisy Buchanan
00:01:59: Lucy Duplessi
00:02:03: Lady Macduff
00:02:05: Und zum Abschluss
00:02:06: Aster
00:02:07: Solilia.
00:02:09: Vielleicht könnt ihr mal zusammen überlegen, was diese Karten gemeinsam haben.
00:02:14: Also sie sind alle...
00:02:17: Wahrscheinlich Frauen oder Flinters?
00:02:18: Wahrscheinlich Frauen oder Flintas?
00:02:19: ja!
00:02:20: Aus verschiedenen Zeiten auch und nicht alle reale, oder?
00:02:23: Emma Bovary ist doch die von Florbert ne?
00:02:26: Ja und Iphigenia...
00:02:28: Iphigina
00:02:29: ist auch schon ein bisschen her.
00:02:32: also sind es alles fiktionale Persönlichkeiten?
00:02:34: Ich glaube Daisy bekanne mich.
00:02:36: Stimmt.
00:02:36: Doch ja
00:02:38: aus The Great Gatsby
00:02:39: Oh, stimmt.
00:02:41: Aber ihr habt schon richtig vermutet es gibt reale Personen und fiktionale Personen.
00:02:46: Bei den Namen die euch was sagen seht ihr da noch Gemeinsamkeiten vielleicht in der realen oder fiktionalen Biografie?
00:02:54: Also ich glaube wo wir uns am sichersten sind also ist... Ich kann immer Bovary kannst du Effigenia auf Tauris?
00:02:59: Weil mehr als Effigeni auf Taurus kann ich nicht!
00:03:04: Ich habe auch Madame Bovari nicht gelesen aber Muss auch gestehen, ansonsten bin ich hier etwas überfragt.
00:03:11: Also Madame Bovary ist ja schon eine traurige Frau auf jeden Fall.
00:03:18: Ja ne?
00:03:19: So eine...
00:03:20: Die dann irgendwie da an ihrem Stand verzweifelt und beim Rest... Und
00:03:30: die Figenie wird doch zurückgelassen auf dieser Insel.
00:03:33: oder war das das?
00:03:34: Ich weiß nicht genau.
00:03:38: Auf Taureszeit!
00:03:40: Was hat die denn gemacht?
00:03:41: Die war bestimmt auch traurig.
00:03:43: Aber welche, die Frau vom Great Gatsby oder was?
00:03:47: Weiß ich nicht.
00:03:47: Ich kann dann den ganzen Tag so, mh, ich hab nix Sorge!
00:03:52: Nee, weiß ich nicht...
00:03:53: Tut mir leid, Hannah.
00:03:54: Ich habe scheinbar einen sehr eingeschränkten kulturellen Horizont.
00:03:58: Boah.
00:03:58: und jetzt denken sich alle Hörerinnen und Hörern, die das hören, boah kenn'nich,
00:04:01: was
00:04:01: ist mit denen
00:04:02: los?!
00:04:03: Sag's doch, du kennst es!
00:04:05: Ihr habt es eigentlich schon erfasst, dass Elementare sind.
00:04:10: Sie sind alle gefangen.
00:04:12: Gefangen in sehr aussichtslosen Situationen, ohne Ausweg.
00:04:16: Sie alle haben in ihren Geschichten extrem begrenzte Handlungsfähigkeit.
00:04:21: Sie können ihre Situationen und sie sind nicht verändern.
00:04:24: Sie sind Objekte von Machtsystemen, manchmal ihre Ehemänner, die Gesellschaft, selbst und ihre eigene Situation.
00:04:34: Isabel Archer aus Henry James Roman The Portrait of the Lady gefangen in einer tyrannischen Ehe.
00:04:41: Wir haben Effigenia, aus der antiken Mythologie die geopfert wurde von ihrem eigenen Vater.
00:04:47: Geopfert
00:04:47: so
00:04:48: weiter?
00:04:48: Wir haben Lucille Duplessis, die lebte in der Zeit der französischen Revolution.
00:04:57: Und sie war als sie hingerichtet wurde für etwas das sie nicht getan hat.
00:05:02: Wir haben Emma Bovary aus Flo Bears Roman Madame Bovaree verheiratet mit sehr viel Engel, die sich selbst vergiftet.
00:05:12: Wir haben Meg aus Murakamis Roman The Wind Up Bird Chronicle, die in ihrer eigenen Mechanik quasi als Teenagerin in ihrer Zeit gefangen ist.
00:05:22: Dann haben wir Lady McDuff aus Shakespeare's Macbeth, die verlassen und ungeschützt mit ihren Kindern ermordet wird.
00:05:29: Dann haben wir Daisy Buchanan aus Fitzgeralds The Great Gatsby ebenfalls gefangen in ihrer Klasse und ihrer Ehe.
00:05:37: Dann haben Wir Asta Solilia aus Laxness Roman Independent People eine isländische Frau des neunzehn Jahrhunderts isoliert auf einem Bauernhof.
00:05:47: Und das ist was diese Frauen verbindet.
00:05:49: über zwei hundert Jahre.
00:05:50: verschiedene kulturen, verschiedene Genre alle sind gefangen und alle ohne Ausweg.
00:05:56: Karl würdest du einmal dieses Zitat vorlesen?
00:05:59: Femalige Protagonisten, die in ihren eigenen Teilen ihrer own Kindesjahre sind.
00:06:04: Hopeless Situations, inescapable Fates, impossible Fantasies und andere unlucky Circumstanzi.
00:06:11: Die Jäler, die einen mit dem Lid auf den Teig schrug, sind manchmal Freunde oder Lieber, manchmal Ärzte und manchmal ihnen selbst, their Longings and Ambitions & Delusions.
00:06:33: Und Hannah würdest du das vielleicht noch einmal auf Deutsch vorlesen?
00:06:36: Weibliche Protagonistinnen, die in ihren ganz eigenen Todesgläsern gefangen sind.
00:06:40: Hoffnungslose Situation, unausweichliche Schicksale, unmögliche Fantasien und andere unglückliche Umstände... Ihre Gefängniswärter, diejenigen, die den Deckel festzudrehen sind manchmal Freunde oder Liebhaber.
00:06:53: Manchmal Fremde und manchmal sie selbst.
00:06:56: Ihre Sehnsüchte Ambitionen und Warnvorstellungen.
00:07:00: Unter diesen Frauen sind Hausfrauen und Teenager Mütter und Töchter Unschuldige tragische Heldinnen und Phamphatal.
00:07:09: Okay wir haben jetzt gehört das Killing Jar Das Todesglas So heißt das Werk, was ich euch heute mitgebracht habe.
00:07:16: Und ein Killing Jar ist ein Werkzeug, ein hermetisch verschlossenes Glas mit Gift darin eigentlich um Schmetterlinge zu töten ohne sie zu beschädigen.
00:07:24: Mit Killing-Jar hab' ich euch wieder einen Werk mitgebracht, was auch gerade lerne.
00:07:29: Deswegen möchte ich gerne diesen Prozess auch teilen und die Person, die diese Metapher aktiv nutzt, ist heute auch die Komponistin und Sängerin der Aufnahme, die wir heute hören.
00:07:41: Yes!
00:07:42: Kate Soper, Komponistin, Sängerin und Performerin.
00:07:46: Sie hat an der Columbia University in den Jahren Jahrzehnte ihre Doktorarbeit geschrieben, Doctor of Musical Arts und die ganze Dissertation ist eine Analyse dieses Werkes.
00:07:54: Voices from the killing jar für Stimme und Ensemble.
00:07:57: Sie ist Co-Direktorin des Wet Ink Ensembles, eine experimentelle Musikgruppe aus New York seit Jahrzehntausend sechs und vorher hat sie auch als Singer Songwriterin gearbeitet.
00:08:06: Sie hat unter anderem vier Alben selbst produziert und war auch Sounddesignerin im Theater.
00:08:11: Und das ist wichtig denn Kate Sopers künstlerischer Hintergrund ist sehr vielfältig Literatur, Theater Popmusik neue Musik und dass alles fließt auch ihr Werk ein und wir hören jetzt in das erste Stück rein.
00:11:11: Vermutung welche Protagonisten das war?
00:11:14: Ui!
00:11:15: Mir ist nur dieser Abschnitt über die Zeit, wo das irgendwie dann so still stand.
00:11:19: Ich dachte vielleicht ist es, dass sie in Gefangenschaft auf ihren Tod wartet oder so.
00:11:26: Aber es könnte auch ... ja... Die Dekadenz gelangweilte immer Bovarie sein oder viele andere wahrscheinlich?
00:11:39: Wie würdet ihr denn die Stimme beschreiben, die wir gerade gehört haben?
00:11:42: Was ist euch besonders aufgefallen?
00:11:45: Sehr klar.
00:11:46: So Jazz-Stimme fand
00:11:48: ich?
00:11:49: Ja, es kam jetzt nicht so viel Emotion drüber von der Stimme her, fand ich jetzt ne?
00:11:53: Also das ist jetzt aber auch erstmal wertfrei.
00:11:58: Ja, so große Intervallsprünger eigentlich ständig und etwas abgehackt wurde dann immer die instrumentalen Kommentare fast oder irgendwie so Verbildlichungen dazwischen traten also irgendwie Emotional aufgebracht, wahrscheinlich zerrissen.
00:12:20: Atemlos irgendwie so...
00:12:23: Ja die erste Protagonistin ist Meg und ich glaube das was ihr beschrieben habt es total richtig und ich glaub dass lässt sich aber übersetzen auf dieses Jugendliche eben.
00:12:33: Dieses komplett vibratofreie so ein bisschen auch vielleicht dieses wo man sagt es war einfach erstmal eine Stimme.
00:12:41: Ich hab das Gefühl, dass da schon auch so eine gewisse Naivität vielleicht mitspielt.
00:12:45: Auch wie die Intervalle gesungen werden und ich habe das Gefühl darin ist irgendwie auch so ein bisschen diese Gefangenschaft in diesem Jugendlich sein.
00:12:54: also die wird so körperlich hörbar Und wir hatten es ja ganz oft, dass dann so Phrasen geendet haben und dass es dann elektronisch verzehrt wird.
00:13:01: und nochmal so nachhalt und ich fand das spannend weil für mich hat das weder schön noch irgendwie tröstlich.
00:13:10: Das war wirklich einfach nur jemand alleine, sehr körperlich
00:13:15: für mich.
00:13:15: Ich fand es auch sehr nah im Grunde aber dafür nicht ... hat's jetzt nicht so mitgenommen wie du
00:13:22: auch
00:13:22: sagst und das war eher so ein Rezeptieren halt.
00:13:26: Interessant!
00:13:27: Ja also ich finde man hört dieses Jugendliche so ein bisschen raub.
00:13:29: Irgendwie hat sich das für mich gut übersetzt und deswegen würde ich jetzt direkt gerne mit euch weitergehen.
00:13:35: in das nächste Beispiel Seventeen eighty-six.
00:13:47: I twenty third!
00:14:07: Dear diary, i think im losing it... ...i don't
00:14:16: understand myself.. ..i dont know what makes me think to speak but winds me up.
00:14:48: The truth is
00:14:51: that i am nothing But a machine Understand when ive am i be better off dead Living in this black.
00:15:38: Ich habe keinen Wunsch.
00:15:48: Eine, wo ich nie geboren bin.
00:15:57: Was ich in ihrem Ort gemacht hätte... Wenn Destiny mich auf den Throne gesetzt hat!
00:16:29: Wenn es ich gewesen wäre, der König war!
00:16:49: Ich
00:16:54: würde nicht warten für die Mahl zu kommen und mich an meine Palästern schmacken.
00:18:36: Mein Tod hätte sich across das gesamte... Universe!
00:19:21: Wir haben jetzt schon gehört, um wen es hier geht am Anfang des Werks.
00:19:29: Was ist euch aufgefallen?
00:19:30: Das Osommel hat auf jeden Fall auch irgendwie eine aktive Rolle gespielt Aber ich fand das auch immer noch eher begleitend kommentierend.
00:19:38: Und wurden so Brief vorgelesen, glaube ich jetzt?
00:19:41: Tagebuch!
00:19:44: Ja und man wird dann durch die Erzählung reinversetzt und folgt eigentlich den Worten.
00:19:51: So kommt man durch das Stück eigentlich durch und dann fällt mir manchmal was Musikalisches auf aber ist jetzt eher eine Wortbegleitung.
00:20:03: Also ich musste irgendwie ein Kurt Weil auch denken.
00:20:10: Vielleicht nicht ganz episches Theater, das ist schon sehr theatral eigentlich opernhaft.
00:20:15: also man kann sich gut eine Oper in diesem Stil vorstellen und genau alles sehr veranschaulichend die Maschine und dann irgendwie so zeitgemäße Trommelrhythmen von irgendwelchen französischen Nationalgarten.
00:20:31: oder das kann man sich dann alles sehr bildlich vorstellen.
00:20:33: Und dazu eben dieser Jazz, das hat mich irgendwie ist mir weil in den Sinn gekommen auch mit dieser leichten Broadway-Ecke.
00:20:43: also eigentlich eine ganz spannende Mischung.
00:20:45: Aber
00:20:47: es ist auch sehr klar.
00:20:49: wiederum ich finde trotzdem sehr klar geschrieben dass es jetzt
00:20:52: kommuniziert sich sehr deutlich.
00:20:58: Was ich besonders spannend daran finde, ist wie das Mikrofon quasi mit als Instrument genutzt wird.
00:21:03: Also natürlich ist es sowieso schon verstärkt, weil's wird ja gesprochen.
00:21:09: Aber ich weiß nicht ob man das am Anfang gut gehört hat... Der Rhythmus des Sprechens ist am Anfang nicht notiert sondern es ist quasi nur ungefähr wann man das sagt.
00:21:18: und da ist dann dabei dass man eben mit dem Papier auf einem Block den Rhythmuss in dem man spricht mitschleifen soll.
00:21:29: Das Geräusch von der Feder.
00:21:30: Genau, das könnte so was sein wie ein Stiftkratzt auf Papier oder etwas Statisches.
00:21:36: aber das fand ich sehr spannend weil ich habe schon das Gefühl dass da auch mit Nähe und Distanz total gespielt wird.
00:21:40: also was ist jetzt gerade näher am Mikrofon?
00:21:42: Was ist jetzt grad weiter weg?
00:21:43: Ich hab mir schon vorgestellt die die das geübt haben müssen, dass der Perkustionist da irgendwie ...
00:21:50: genau das ist dann eben eine Aufgabe die auch die Sängerin dann mit übernimmt.
00:21:55: Und eben das ist das Spannende, dann auch dieses Zusammenspiel, worüber du gerade gesprochen hast von Ensemble.
00:22:00: Wie dann doch die Sänger in dem Ensemble folgt, obwohl es vielleicht diesen begleitenden Charakter hat dadurch dass das Ensemble klarer notiert ist als jetzt die Stimme.
00:22:09: Das ist dann trotzdem finde ich wieder so eine Dynamik
00:22:12: ergibt.
00:22:12: Hört man jetzt von außen nicht so?
00:22:14: Auf der Bühne ist ja noch mal was anderes als in der Komposition.
00:22:16: da merkt man... ...dass der Text eigentlich verkomponiert wurde.
00:25:23: Ich
00:25:27: wünsche
00:25:28: mir, dass die Sonne ruht und etwas kümmert es mich ob er mich betrügt.
00:25:33: Ja viel mehr Energie!
00:25:37: Von Boyz, da hält man das Ohr an die Wand und dann kommt Boyz aus der Wand und sagt abwechseln.
00:25:43: Ja!
00:25:44: Nein!
00:25:47: Das war hier auch so ein bisschen... So einen Georgsten zu Bode betäubt.
00:25:50: Zumal lachen und dann wirklich auf Lachen runterholen?
00:25:55: Man hat jetzt auch eine dreckige Lache gehört.
00:25:58: Da kam jetzt schon andere Seiten raus.
00:26:01: Man hat mehr von der Stimme gehört.
00:26:03: Ja, mit diesem Zitat macht es irgendwie ... dann werden das so richtige Charakterstücke eigentlich.
00:26:10: Genau einen Aspekt auf den ich hinaus wollte sind eigentlich diese Extended Vocal Techniques wie sie hier zum Beispiel in dem Satz eingesetzt werden.
00:26:18: also was wir jetzt gehört haben vom So vocal fry bis hin zum lachen zum weinen viel so.
00:26:24: air sounds glissandi und später in diesem Satz kommt dann noch an einer Stelle ein Bariton dazu, der quasi gegen diese Stimme eine Mozart-Arie singt.
00:26:35: Das ist das einzige Mal dass wir in diesem Stück eine Männerstimme hören und die Person wird quasi von der Bühne wieder weg gesungen.
00:26:41: also es gibt einmal so diesen Einzug von Mozart und dann gehts zurück in Emma's Chaos also dieses nie aufeinander treffen.
00:26:49: und ich habe da viel drüber nachgedacht warum oder was der Aspekt der Stimme für dieses Werk bedeutet, denn ich glaube das was am Ende bei diesen Charakteren auch eine Gemeinsamkeit ist.
00:27:00: Das was sie am Ende übrig haben ist ihre eigene Stimme, ihre eigenen Gedanken und eben vor allem bei den historischen Personen die überlieferten Schriften.
00:27:09: Und das ist etwas was ich darin wirklich sehe dass Ihre Stimmen und Ihr Ausdruck dann teilweise durch diese Extended Vocal Techniques nochmal ganz anders hörbar wird und dadurch vielleicht auch übersetzt unsere Zeit.
00:27:23: Ich würde euch gerne eine Rezension vorlesen.
00:27:26: Oh ja!
00:27:27: Erichs Skelly hat es aus dem Jahr, das ist ein Skor composed in a modernist aesthetic fueling at disquietting performance that spoke directly to the me too and never again movements.
00:27:39: Das wollte ich irgendwie gerne mit euch teilen weil ich das ganz spannend fand weil da ja nochmal auf einer anderen Ebene diese Geschichten übertragen werden auf einen Diskurs der ja inzwischen auch schon wieder fast fünfzehn Jahre her ist.
00:27:51: Also diesen Aspekt der Aktualisierung, diese historischen mythologischen literarischen Frauen ins jetzt holen.
00:28:00: Da ist auf jeden Fall wenn man das so die Frauen in ihrem Charakter oder mit ihrer Story erzählt.
00:28:09: Es hat schon also wie du gesagt hast du von gesagt Opa und ich habe gesagt Musiktheater.
00:28:13: Das hat schon sowas nach Geschichten erzählt aber halt nicht nur erzählt sondern auch noch der Impetus dieser Geschichte wird noch mitkomponiert
00:28:27: Stimmt mich schon total zu.
00:28:29: Es sind natürlich auch starke Frauen gewesen, auch wenn sie so wehrlos oder unmächtig waren, denke ich mal ohne die alle Geschichten tatsächlich zu kennen aber auf jeden Fall ja starke Freundfiguren was natürlich vielleicht ist dann auch einfacher macht ein Stück drauszumachen.
00:28:56: Also würdet ihr sagen, für euch funktioniert diese Form der Aktualisierung?
00:29:01: Ich glaube das kommt total auf die eigene Perspektive an ehrlich gesagt.
00:29:04: Ob das funktioniert oder nicht...
00:29:06: Die beiden Beispiele zumindest von Lucie Duplissis und Emma Bovary haben auch inhaltlich glaube ich so ein bisschen Wahnsinn thematisiert und es scheint mir fast jetzt von dem was ich gehört habe könnte man überlegen ob sie da so in so einer die starke Frau als Hysterikerin Falle tappt oder irgendwie solche Ja, also irgendwie so Stimmen Die sich durchsetzen eben dann gleich auch als etwas sehr Nicht normiertes sieht was dann eben in so eine verrückt heiz oder also was in solch ohne das jetzt Bekräftigen zu wollen dass das so sein sollte.
00:29:55: aber irgendwie Bei dem was ich jetzt gehört habe, könnte mir vorstellen dass das Stück so ein bisschen Gefahr läuft in solche Klischees abzudriften.
00:30:06: Für mich war es irgendwie immer mehr eine Emanzipation von der Wut oder vom Schmerz.
00:30:12: Ich glaube, ich hab da persönlich nie etwas Hysterisches rausgehört auch weil's so intendiert ist, diese Extendent-Vokaltonik sind ja für jedes Stück anders und das ist vielleicht nur ein Faktor.
00:30:23: aber ich fand es total spannend eben das Alter der Person anzuschauen.
00:30:27: Ich finde, das hört man zum Beispiel total und das hat für mich auch so eine Sensibilität die da echt stark ist.
00:30:33: also wir haben irgendwie jetzt gerade in einer Person gehört, die ist dreiundzwanzig und muss jetzt sterben.
00:30:38: natürlich ist es so eine Verzweiflung und vorher haben wir eine siebzehnjährige gehört und ich habe schon das Gefühl dass das schon auch ne sehr intime Auseinandersetzung mit vielleicht so einem Prozess vom Erwachsen werden Frau werden Schmerz in verschiedenen Lebenssituationen in verschiedenen Altern isst.
00:30:55: Ja, das stimmt.
00:30:56: Will ich jetzt gerne einmal mit euch in das letzte
00:30:58: Stück hören?
00:35:18: Okay wir haben jetzt gerade das Ende des Gesamtwerks gehört.
00:38:02: Habt ihr eine Vermutung um wen es da ging?
00:38:05: Ja die von Gatsby oder?
00:38:08: Aha!
00:38:09: Ich dachte an die vom James, die in so einer goldenen Käfe eher käfig lebt sozusagen.
00:38:18: Also Hannah hatte recht.
00:38:19: Es geht um Daisy Buchanan, also The Great Gatsby.
00:38:24: und vor allem in dem Roman ist Daisy eben oberflächlich gefangen ihrer Klasse im Reichtum und Fitzgerald beschreibt ihre Stimme selber in den Roman.
00:38:35: unter anderem beschreibt er es als a singing compulsion full of aching grieving beauty Und dann reduziert er sie aber auf die Zeile Her Voice is Full Of Money.
00:38:51: Ja und genau da kam dann jetzt nicht KI, sondern Bearbeitung.
00:38:57: Also Live-Elektronik würde man sagen oder?
00:39:00: Das
00:39:01: ist ja ganz spannend.
00:39:03: Es wurde immer wieder repetiert und dann hieß es ihre Stimme, das spricht das Geld soll der Satz eigentlich sagen oder interpretierte den auch so.
00:39:13: Her Voice is full of Money.
00:39:16: Er riegel von der Sprechstimme.
00:39:19: Einfach sie als Person und dann die Stimme eben als Medium.
00:39:22: Ja, das war natürlich auch im Gesamtblick nochmal jetzt deutlich hat es meinen Gesamteindruck noch mal sehr differenziert.
00:39:31: dieser andere Stimme Und natürlich dann auch eigentlich von Anfang an eine gespaltene Stimme oder zumindest eine verdoppelte Zuteil.
00:39:41: und dann in dieser Dehnung die sich dann irgendwie unabhängig sogar macht und eine Stimme singt so melismatisch höchsten Höhen.
00:39:54: Und die andere ist irgendwie so verzerrt verstorben, also stirbt irgendwie ab oder ist irgendwie ja nicht mehr so ganz in der Realität?
00:40:04: Dann kommt diese künstliche Verzerrung schon vielschichtig.
00:40:10: Ich
00:40:10: weiß nicht wie ihr das empfundet.
00:40:11: ich fand dieses tape cut off am Ende irgendwie auch schon sehr eindrucksvoll.
00:40:16: Also die ganzen Läher, die aufgebaut wurden und diesen großen glühenden Ball geformt haben.
00:40:22: Die wurden dann einfach der Skabel gezogen.
00:40:25: Genau vor allem auch so diese ... was du gerade beschrieben hast, diese Doppelung der Stimme.
00:40:30: Vor allem wenn sie dann eben nur auf A singt... Und man hört aber da drunter noch diesen fast schon ein bisschen geprummelten Text.
00:40:38: Ja, das ist schon eine Grundschwingung, die einen irgendwie durch den ganzen Satz so ein bisschen verfolgt.
00:40:44: Also handwerklich ist das wirklich irgendwie fein gemacht alles, da kann man so schön mithören.
00:40:51: Ich finde es auch immer noch trotzdem.
00:40:52: Auch wenn du gesagt hast der glühende Feuerball war's jetzt trotzdem nicht so dicht.
00:40:58: ich finde das immer alles sehr transparent
00:41:02: geschrieben.
00:41:02: Es
00:41:05: greifbar.
00:41:06: Ja genau, es ist auch
00:41:09: nah.
00:41:10: Und ich find dieses Cutoff lässt ja vielleicht dann auch ein bisschen... Nachhalt.
00:41:14: Also man kann überlegen, ist das jetzt einfach die Verstimmung dessen?
00:41:18: Ist es doch irgendwie ein Moment der Emanzipation und der Befreiung?
00:41:22: Also irgendwie finde ich, dass lässt dann doch noch relativ viel Spielraum offen am Ende.
00:41:28: Und wenn du das jetzt lernen willst... Wie wichtig ist es für dich, dass du diese Personen alle kennst oder die Geschichte hinter diesen Personen?
00:41:37: Ich glaube, das Spannende ist ja eben an dem Stück auch fast jedes einzelnen Stück ein bisschen ein anderes Genre hat und genau.
00:41:47: Und das war auch für mich heute glaube ich so ein bisschen der Punkt, dass dieser Einsatz von den Extended Vocal Techniques dieses... Das nicht schön zu singen, dieses kämpferische aber eben in ganz verschiedenen Etappen des Lebens und in ganz anderen Epochen, dass das das am Ende ist was diesen Person bleibt oder auf jeden Fall nach Kezopas Interpretation bleibt.
00:42:11: Deswegen sind, glaube ich für mich besonders wichtig eben die Momente wo die Stimme einsetzt und wo die stimme aufhört.
00:42:17: Und ich glaube das ist echt etwas was man in diesem stück nochmal spezifisch unter die Lupe nehmen kann wie in welchem Satz die stimme wie und wo einsetzt Wie sie dann auch wieder elektronisch gedoppelt wird und dann aber auch wieder endet.
00:42:32: Die frage ist halt wie sehr dass in der partitur aufgeschrieben ist.
00:42:37: Wenn wir beide jetzt über Madame Bovary zum Beispiel reden, hast du vielleicht ja eine andere Figur vor Augen als ich.
00:42:44: Also die ist ja relativ klar umrissen.
00:42:46: aber da sind also meine Frage geht es auf den Interpretationsspielraum.
00:42:51: Wie viel Spielraum hast Du von Kate Sopa bekommen?
00:42:54: Weil was ist wenn Du etwas ganz anderes wichtig findest?
00:42:57: Ich glaube es ist natürlich dadurch schon mal beeinflusst dass die Aufnahme dies gibt von der Komponistin ist Darüber sprechen wir hier auch viel, sowohl wie irgendwie Programmheft-Texte oder irgendwie Vortexte schon die Wahrnehmung beeinflussen.
00:43:10: Und natürlich ist es noch mal was anderes in so einer Composer-Performerpraxis wo einfach sie jetzt die erst Interpretin isst.
00:43:19: Obwohl das ich dann natürlich auch spannend finde, es gibt natürlich einmal diese... Es gibt mehrere Aufnahmen von ihr, wie sie singt und Ich glaube für mich ist aber eher so ein bisschen der Punkt, ich finde es insgesamt in dem Sinne sehr gut komponiert dass man gar nicht so viel Interpretation selber mitbringen muss, weil eben diese Stimmtechnik so unterschiedlich geschrieben ist und so klar dann wiederum notiert ist.
00:43:44: Das natürlich ist für mich wichtig die Person zu kennen aber einfach weil das glaube ich für mich auch immer ein Anspruch ist wenn ich in Werke reingehe da nicht blind reinzugehen.
00:43:53: Aber ich glaube an sich wenn jemand jetzt nur die Partitur lesen würde würde man dadurch einen Gefühl bekommen für die Personen.
00:44:00: Es ist schon eine Lesart Der Komponistin.
00:44:05: Ja, und das Stück heißt ja Overtitel Voices of the Killing Jar.
00:44:08: Das sind alles sozusagen Frauen die in diesem Glas gefangen sind und denen man jetzt zuhören kann sozusagen.
00:44:20: Ich glaube diese Metapher kann man unterschiedlich lesen weil Karl hatte ja vorhin auch schon gefragt, ob die alle sterben.
00:44:27: Die sterben... Also natürlich irgendwann sterben sie alle!
00:44:30: Aber jetzt in den Geschichten, die wir von ihnen hören, stübt ungefähr eben die Hälfte.
00:44:36: aber ich glaube dieses Aussichtslose und dieses Reduzieren und ich glaube so hat Kate Soper auch die Rollen für sich ausgewählt eben Frauen zu wählen oder Geschichten von Frauen zu Wählen, die am Ende halt nur ihre Stimme
00:44:52: hatten Das sind halt alles Männer, die über diese Frauenfiguren geschrieben haben.
00:44:57: Und genau das ist insofern total der wichtige Schritt und cool.
00:45:04: aber vielleicht ist es auch das so ein bisschen was mich dann bei mir so n bisschen eine Frage ausgelöst hat ob diese Figuren in ihrer Größe und Stärke Überliefertheit quasi auch so unvoreingenommen, genommen werden können oder ob nicht um wirklich eine emanzipatorische Frauenrolle heute in unserer Zeit auf die Bühne zu bringen.
00:45:37: Ob man nicht auch irgendwie andere Figuren bräuchte?
00:45:44: Wirklich noch mal Frauenfiguren.
00:45:49: Also das sind es ja auch aber...
00:45:51: Das ist mir auch aufgefallen, dass alle Frauenrollen, die hier fiktiv sind, sind alle geschrieben von Männern.
00:45:57: Aber da ist dann ja vielleicht so diese editorische Praxis, die daraus entsteht, dass sie sich eben so Aspekte raus nimmt wie nur diesen Einsatz, den Sie dann verarbeiten.
00:46:05: Dann ist sie als Komponistin und als Performerin ja vielleicht genau diese Frau, die du gerade gesagt hast, die man bräuchte
00:46:14: Ja, aber vielen Dank.
00:46:15: Das war...
00:46:16: Super!
00:46:16: Das war jetzt cool.
00:46:17: War mir
00:46:17: überhaupt kein Begriff und war jetzt spannend.
00:46:20: Dann danke euch für die Diskussion.
00:46:22: Wir kommen noch zum Türöffner des Monats.
00:46:26: Der Türöffner des Monats ist dieses Mal das Klangspuren Creators Lab, wenn ihr dieses mal dabei sein wollt müsst.
00:46:33: Ihr müsst euch allerdings ein bisschen beeilen.
00:46:35: die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum fünfundzwanzigsten Juni.
00:46:39: Das Klangspuren Creatours Lab ist ein einwöchiges Labor für alle die im Bereich Musik, Choreografie, Theater oder Architektur sind.
00:46:47: genauer gesagt richtet es sich an Masterstudierende, PhD Anwärterinnen und alle die gerade BerufseinsteigerInnen sind.
00:46:55: Und das Ganze findet vom achten bis zum fünfzehnten September in Österreich statt und wird unter anderem von Juliet Fraser und Marlene Schleicher geleitet.
00:47:05: Und als Mentorellen ist u.a.
00:47:07: Lisa Lim aus unserer vorletzten Folge dabei.
00:47:10: alle wichtigen Infos, findet ihr unter klangspuren.at.
00:47:14: slash education.
00:47:15: viel Erfolg!
00:47:16: Wir hören jetzt noch ein Musik-Tipp von der Komponistin unseres heutigen Jingles Jacqueline Butzinger.
00:47:23: Hallo ich bin Jacqueline Putzinger Ich bin Komponistin und Klangregisseurin.
00:47:27: Und mein Musiktipp ist Santa Solar von Laurel Halo.
00:47:33: Dann danke ich euch für die heutige Diskussion, und wir sehen uns zum nächsten Mal!
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