MTP 20 Pocket in Time – Ravespace, K-Zeit und Rebecca Saunders

Shownotes

Aufnahme vom 09. September 2026

Jingle und Musiktipp: Joan Tan Jing Wen https://www.joantansonicspaces.com/

Podcast #20: Pocket in Time – Ravespace, K-Zeit und Rebecca Saunders Gespräch mit Hannah Otto, Karl Ludwig und Hanna Fink

Stückinfos: • Secret Rave in Old Swimming Pool (Outworld) https://www.youtube.com/watch?v=6HuZZSBDC4U • Rebecca Saunders: "Skin" (2015/16) für Sopran und 13 Instrumente Aufführung / Mitwirkende: Juliet Fraser (Sopran), Talea Ensemble https://www.youtube.com/watch?v=k07pMTwHmKk Rebecca Saunders: https://www.rebeccasaunders.net | Juliet Fraser: https://www.julietfraser.co.uk

Wir sprechen über: • Den Textbezug zu McKenzie Warks Publikation Gender und Rausch (Limmat Verlag) über Underground-Raves • "K-Zeit" (Ketamin-Zeit) als dissoziative, queere Zeitform, seitwärts verlaufende Zeitkapseln und Reassoziation • Die Suche nach alternativen Zeitlichkeiten und physischen Grenzerfahrungen abseits des Club-Kontexts • Die Übersetzung von körperlicher Dissoziation, Tunnelblick und überstimulierter Haut in die radikale Neue Musik • Rebecca Saunders’ Skin: Die Erforschung des physischen Materials der Stimme (Atmung, Reibung, Kehlgeräusche, Textfragmente aus Samuel Becketts The Ghost Trio) und ihre physische Entgrenzung im Konzertsaal

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Transkript anzeigen

00:00:10: Herzlich willkommen zurück hier an Gisela's Küchentisch zu einer neuen Folge des Musiktexte Podcasts, heute unsere zwanzigste Folge.

00:00:19: Ich bin Hannah Otto, Sofranistin und Musikwissenschaftlerin aus Köln

00:00:24: Hannah Fink, ich bin Musiktheoretikerin und Kulturmanagerin.

00:00:28: Ich arbeite in Köln und im Rohrgebiet.

00:00:30: Und ich bin Karl-Ludwig Musikwissenschaftler in Wuppertal und Kölnen.

00:00:34: Wir schließen heute an ein Thema an mit dem wir uns diesen Podcast schon mal beschäftigt haben und zwar ging es damals um Protopeformances und rituelle Handlungen.

00:00:45: Ich erinnere mich von der Folge hauptsächlich dass Janik Christou, der griechische Komponist sehr ... sich sehr viel Gedanken vor allem gemacht hat und so ein eigenes System hatte von Dingen rund ums Ritual, nenne ich es jetzt mal vielleicht.

00:01:03: Wir beginnen mit dem ersten Hörbeispiel.

00:01:45: das reicht eigentlich schon.

00:01:47: Ich würde euch als Impuls fragen wo würdet ihr das spontan örtlich zeitlich und im Genre Begriff einordnen?

00:01:56: Ja in der Disco Seitlich ist es nicht so alt wie der Begriff Disco Klingenmark.

00:02:14: Keine Ahnung, ich würde sagen nicht älter als Apul ja.

00:02:20: Ich bin da wirklich nicht so präzise.

00:02:23: man gehört glaube ich.

00:02:24: Es könnte auch schon zwanzig Jahre alt sein aber ich habe jetzt den Impuls zu sagen das ist nicht ältere als zehn Jahre

00:02:33: Ja, ich hätte auch eher zwanzig, glaube ich gesagt.

00:02:34: Aber für Ort wäre für mich Internet.

00:02:39: Das ist so eine Mucke die kann auch nicht passt irgendwie auch zu allem.

00:02:43: Kann man sich anmachen wenn man diese geht auf Rolle?

00:02:49: Nein aber... Aber

00:02:51: es schon Tanzmusik oder?

00:02:53: Ich habe schon

00:02:53: direkt angefangen!

00:02:56: Ich würde jetzt vielleicht einmal das Video dazu nehmen

00:03:51: War schon ein Club-Kontext, wobei jetzt kein Club-Club, sondern eher so einen Ausstellungsraum.

00:03:57: So Artie war es auch ein bisschen?

00:03:58: So Arti und nicht so richtig packt und dunkel, sondern

00:04:02: irgendwie... Das war taghell!

00:04:06: Und von der Mode her dann doch vielleicht ein bisschen älter als zehn Jahre.

00:04:10: Ich weiß nicht ob das nur das Video war

00:04:12: oder ja.

00:04:13: ich war dann auch echt wieder

00:04:14: auf die Scheiße weil wir sind ja heute auch in einem Mix ... vor alles wiederkommen.

00:04:19: Ja, das stimmt schon aber...

00:04:22: Soll ich auflösen?

00:04:23: Bitte!

00:04:25: Also wir haben gerade ein YouTube-Video gesehen mit dem Titel Secret Rave in Old Swimming Pool und das ist aus zwanzig vierundzwanzig.

00:04:35: Und ich bin darauf gekommen weil ein Aspekt mit dem ich mich auseinander gesetzt habe rave und rave spaces sind.

00:04:43: und

00:04:44: ich möchte heute nicht über Party reden sondern mehr so um die politische Dimension dieses Raumes.

00:04:50: und ich habe euch dazu ein Text mitgebracht, der relativ frisch erschien ist in der Publikation Gender & Rausch.

00:04:56: Ein Reader der Plattform Kulturpublicistik der Zürcher Hochschule der Künste aus dem Limmert-Verlag.

00:05:02: Und darin findet sich ein Interview von Natascha Rotenbühler mit Mackenzie Walk einer australischen Medienkulturtheoretikerinnen und Professoren in New York die sie stark mit kritischer Theorie und Queer Trans subkulturellen Praxen auseinandersetzt.

00:05:17: Coming Out als Transfrau und die hormonelle Transition brachte sie in eine dreijährige Schreibblockade.

00:05:23: Und diese Schreib Blockade hat sie erst durch das intensiver Eintauchen in die Rave-Kultur überwunden.

00:05:30: Würdest du einmal vorlesen?

00:05:32: Gerne!

00:05:33: Die Underground Raves, die Walk frequentiert und reflektiert haben kein kommerzielles Ziel – Sie erfüllen viel mehr essentielle Bedürfnisse der Besucherinnen.

00:05:42: Sie seien eine Zeit vom omnipräsentem Druck produktiv zu

00:05:46: sein.".

00:06:06: Spannender Aussage, ne?

00:06:08: Walk geht in ihren Texten aber noch einen Schritt weiter und beschreibt so ein widerkehrendes Motiv, und zwar diese Entkopplung von Zeit und Raum.

00:06:14: Deswegen fand ich es gerade auch spannend dass ihr auch zeitlich nicht so richtig einordnet und konntest wo das herkam weil man natürlich hat man irgendwie verschiedene Ebenen von Zeitlichkeit die sich da auch treffen Und es gibt einen Phänomen das beschreibt sie als K-Zeit.

00:06:27: Habt ihr irgendwelche Vermutungen oder Theorie was K-zeit sein könnte?

00:06:32: So k wie der Buchstabe k Oder was?

00:06:39: Konsumzeit.

00:06:40: Die Car-Zeit oder K-Time ist nach Walk eine dissoziative queere Zeitform, die im Rave-Kontext durch den Konsum von Ketamin entsteht.

00:06:49: also Karl hatte schon

00:06:51: perfekt

00:06:54: Und Karl.

00:06:55: deswegen würde ich dich einmal bitten wieder aus unserem Reader Gender und Rausch einmal den Glossareintrag zur Ketamine vorzulesen.

00:07:04: Ursprünglich wird Ketamin als human- und tiermedizinisches Anesthetikum eingesetzt.

00:07:10: Es betäubt, lindert Schmerzen und kann für die Behandlung von Depressionen eingesetzt werden.

00:07:15: Obwohl Pferde nur eine solgetiert Art sind, die mit Ketamine vor operativen Eingriffen betäuft werden, spricht man in der Szene auch von Horsing wenn Ketamine konsumiert wird.

00:07:26: Ketamen ist auch in der Popkultur angekommen.

00:07:29: Keter memes und Pferdereals reihen sich neben Songs wie Keta & Krawall Auf einer Party.

00:07:37: Keta ziehen fühlt sich ähnlich an wie ein bisschen zu viel Alkohol trinken.

00:07:41: Man wird hemmungsloser und entspannter, lässt sich in der Musik gehen.

00:07:45: Easy oder?

00:07:46: Naja, bei zu viel Ketamin besteht die Gefahr ins K-Hole zu fallen.

00:07:51: Die Kontrolle zu verlieren und eine Auflösung des Ichs zu erleben.

00:07:55: Zudem besteht ein hohes Potential psychisch von Ketamine abhängig zu werden indem die Dosis bei regelmäßigem Konsum schnell erhöht wird um einen Effekt herbeizuführen.

00:08:04: Zu oft und zuviel K kann außerdem zu irreversiblen Blasenschäden führen.

00:08:09: Ein Rave ist einfach eine Pocket in Time, eine Tasche in der Zeit, in der es mehr Zeit gibt.

00:08:15: Aber die Tasche schließt sich, spuckt uns wieder aus und das war's

00:08:18: dann.".

00:08:19: Und an anderer Stelle beschreibt McKenzie Walk dass als eine seitwärtsverlaufende kapillartige dissoziative Zeitkapsel eine Ketaminzeit – sie isst der gewöhnlichen Zeit der Stetigkeit gegenübergestellt.

00:08:30: Sie sagt aber auch, dass diese Dissoziation für sie kein pathologischer Zustand ist sondern ein Weg!

00:08:37: Ich sehe es als Teil eines Prozesses, der auf eine Re-Assoziation hinausläuft.

00:08:42: Ein Wiederfinden zu einer anderen körperlichen Art und

00:08:45: Weise.".

00:09:06: Für sie ist es natürlich auch aus so einem Kontext heraus, sich einfach wirklich von Diskriminierungsstrukturen zu lösen.

00:09:14: Also ich glaube K-Time ist für Sie letztendlich nicht mehr etwas was an Ketamin geknüpft ist sondern was für sie ausgelöst wurde von Ketamine.

00:09:21: aber ich glaube das beschreibt eigentlich ein anderes Phänomen.

00:09:23: Ja also eigentlich jeder Zustand von Flow ist ja irgendwo eine Auflösung von Zeit.

00:09:31: Ich fand den Kontext von Queer... Spannend, weil queere Zeitlichkeit ja auch so eine Antimomente hat.

00:09:40: Ich gucke Karl an wegen unserer Anti-Volge.

00:09:44: Aber genau also Queerezeitlichkeit hat ja auch eine Dimension von die Art und Weise wie wir Zeit wahrnehmen und beschreiben ist gesellschaftlich geprägt und könnte auch anders laufen.

00:10:00: Genau, den Link zur queeren Zeitlichkeit zu diesem Konzept zur K-Zeit habe ich jetzt noch nicht so empfunden.

00:10:08: Ich finde es ist auch wie Karl gesagt hat einfach eine Zeit wo man ganz da ist.

00:10:15: Und wo hat sie das letzte Mal?

00:10:19: Also im Kleinen habe ich das glaube ich oft sozusagen sagen wenn man sich einer Sache widmet dann denkt man nicht an die Zeit oder an die Stätigkeit.

00:10:30: Ja Moment von glücklich sein, finde ich ist auch so was.

00:10:33: Das hat ja auch sowas von nicht zeitlich gebunden oder dann auch im Rückblick so eine zehn Minuten einem vorkommen wie ein halbes Jahr und umgekehrt.

00:10:44: Ich glaube aber dass diese Zustände häufig auch etwas mit Körperlichkeit zu tun haben.

00:10:51: also sowas kriegt man schon leichter auf wenn man jetzt tanzt oder läuft oder träumt Heftig, keine Ahnung.

00:11:00: Musikiert oder irgendwas macht, wo man sozusagen bei der Körper den viel Raum eindimmt?

00:11:06: Ich habe mir das auch noch mal aufgeschrieben.

00:11:08: wenn ich das für mich so runterbreche geht es am Ende auch darum dass der Körper eben durchlässig wird und der Leistungsdruck abfällt.

00:11:14: also ich würde schon sagen Das ist für Walk eine der großen Punkte dabei Also dass man nicht mehr diesen Druck vom Alltag quasi verspürt.

00:11:22: Und eine Frage die ich mir gestellt hab nachdem ich das gelesen habe ist in welchen Kontexten kann das existieren?

00:11:28: also ich meine man sieht ja auch jetzt schon in der neuen musik vieles was in so zwischenräumen passiert auch irgendwelche künstlerinnen die auch immer wieder versuchen irgendwie crossover artig etwas zu machen oder in einem klub kontext oder auch produzentInnen, die wir hier auch schon podcast hatten sowie holly hurnten.

00:11:44: Die auch bewusst versuchen da reinzugehen aus so club ästhetiken live elektronik und Ja auch den konzert zell so zu verschmelzen.

00:11:53: aber Für mich war die viel spannere Frage, wie man diese Zeitlichkeit vielleicht übersetzen kann.

00:11:58: Also gar nicht sich so die Frage zu stellen, wie lässt sich Raving übersetzen?

00:12:03: Sondern bis zu welchem Punkt funktioniert das vielleicht überhaupt im Konzertsaal?

00:12:06: Du hast gerade Körperlichkeit gesagt, ne?

00:12:09: Das ist ja was, was dann häufig im Konzertsaal eingeschränkt ist.

00:12:14: Ja aber es sei denn, dass hören ist so beansprucht... Das finde ich auch körperlich, weil ich empfinde dann durchs Hörn.

00:12:23: Selbst wenn das einzige was mit mir passiert ist, kann da es ja wirklich sehr anstrengend sein.

00:12:30: Deswegen würde ich Konzertbesuch tatsächlich auch dazu zählen selbst, wenn nicht nur am Stuhl sitzt.

00:12:35: Also ich denke nur, dass ist schon eine musikalische Ebene die natürlich in der Ravekultur durch repetitive Beats und allmähliche Verläufe keine... nicht so sehr.

00:12:48: Songstrukturen wahrscheinlich schon auch, je nachdem.

00:12:52: Aber hier eigentlich nicht.

00:12:53: also wo es schon auch musikalische Parameter gibt die das begünstigen und dass würde ich in klassischer Konzertmusik ebenso ansetzen.

00:13:05: Also da gibt's ja ganz extreme Beispiele von Leuten die das auch ganz gezielt versuchen hervorzurufen und mit Zeiterfahrungen zu spielen.

00:13:18: Also Bernd-Aliwis Zimmermann wäre so einer, der wirklich auch versucht hat, sogenannte Zeitdehnungen zu komponieren durch Strukturen.

00:13:26: Und ich habe jetzt am Wochenende ein Interview geführt mit Simon Rennell von Another Tarnbrett, den mir von einem Konzerterlebnis auch erzählt hat wo einfach die Einschätzung von Zeit völlig ausgehebelt wurde bei dem Stück von Bryn Harrison, der das auch sehr bewusst Formen aufbaut, die eigentlich eben keine zielgerichtetkeit mehr haben oder auf einer anderen Ebene führen.

00:13:54: Also das ist dann würde ich fast behaupten nicht unabhängig aber nochmal separat vom Ort dass durch die musikalischen Eigenschaften auch Zeit sich verändern kann.

00:14:06: Genau!

00:14:06: Dann würde ich jetzt sehr gerne mit euch ins nächste Hörbeispiel gehen.

00:18:22: Ich habe euch heute das Stück Skin von Rebecca Saunders mitgebracht Und was ich daran besonders spannend fand, ist dass sie mit diesem Werk so die physischen Grenzen von Stimme und Körper aufreißen wollte.

00:18:37: Also vor allem auch eben durch den Einsatz von Extended Vocal Techniques.

00:18:42: Ich fand den Titel für heute sehr passend also Haut und das was uns von außen trennt weil das ja genau das ist was in der Theorie beschrieben wird als das was quasi porös oder durchlässig wird und uns dann in diesem Club- oder Konzertkontext so durchläßig macht.

00:19:00: Und ich fand es spannend, hier zu beobachten wie die Stimme ein bisschen über dem Rest des Assembles für mich wieso die Haut bildet.

00:19:11: Ja wir sind nachdem... Wir sind wiederholungen einfach aufgefallen und auch natürlich die Steigerung aber einfach weil wir glaube ich auch vorher darüber gesprochen haben.

00:19:23: Ich hab gemerkt dass Ich an einzelnen Momenten so Spaß habe, einfach weil das coole Klänge sind.

00:19:29: Also dieses Gerolte R ist wirklich sehr cool zu hören.

00:19:40: Ja und natürlich eine Sprachähnlichkeit ohne Wort verständlich also ohne wahrscheinlich Sprache dahinter.

00:19:47: letztlich oder who knows?

00:19:51: Nein, ich habe irgendwas verstanden.

00:19:53: Ich hab's leider vergessen was das war aber ich hab irgendein Wort verstanden.

00:19:56: Ja es textisch fließen so Fragmente von Samuel Beckets The Ghost Trio ein.

00:20:01: Also es gibt auf jeden Fall eine textliche Grundlage die aber wie du schon richtig gesagt hast also auf jeden fall fragmentiert ist.

00:20:07: Also die Stimme erscheint mir wie ein Schnitt im Bett.

00:20:11: für dieses Orchester ist ja eher so atmosphärisch dass auch mal Klänge liegen bleiben oder dann kurz nur so Echoes kommen oder Antworten in einzelnen Instrumenten, die das Gäste dann irgendwie nochmal weiterleiten.

00:20:26: Aber im Prinzip ist es erst mal ein Bett.

00:20:29: Ich glaube für mich war das so dieses Poröse, also eher dieser Zustand des Körpers der dann später kommt.

00:20:39: Das geht aber eine Stunde oder so?

00:20:41: Ist sie ihre Opa gewesen?

00:20:43: Nein,

00:20:43: das dauert seit ca.

00:20:44: um zwanzig Minuten.

00:20:46: Dann würde ich gerne mit euch noch einmal weiterhören!

00:24:56: Gibt es gerade Initiative Gedanken, die eh los werden möchtet?

00:25:00: Ich habe noch mal drüber nachgedacht wenn ich das so verbildlichen müsste.

00:25:05: Denn wer glaube ich?

00:25:07: die Stimme auf jeden Fall diejenige die vorangeht und der Rest kommt so mit.

00:25:11: also weil man sich ja bei sowas immer fragt welche Rolle hat das Solo also in dem fall die Stimmer und welcher Roller hat dann das Assemble?

00:25:21: und man hört schon auch die einzelnen die Stimme geht immer voran und die anderen kommen dann dazu.

00:25:35: Oder ergänzen oder sind so mit dabei, aber Initial ist immer erst die Stimmel dabei.

00:25:42: Wir haben uns ja über das Pocket in Time am Anfang unterhalten Und ein bisschen diesen Tunnelblick den man im Club bekommt.

00:25:50: Ich habe mir gedacht dass es eigentlich spannend wäre zu überlegen auf welchen musikalischen Parametern basiert das?

00:25:55: Und finden wir musikalische Parameter hier wieder, weil wir haben ja eben schon über die Wiederholung gesprochen.

00:26:02: Das ist ja auf jeden Fall so was, was wir hier auch widerspüren.

00:26:05: Ich hatte auch irgendwie so Momente wo ich ein bisschen das Gefühl hatte dass es wie wenn nach so einem Beat Drop dann auf einmal sowas eine neue Idee einsetzt oder so gibt es da noch andere Parameter die euch so aufgefallen sind?

00:26:18: Oder könnt ihr mit der Idee überhaupt etwas anfangen?

00:26:19: ...

00:26:20: der musikalischen Parameter, die die Zeit aufheben quasi.

00:26:25: Das glaube ich... Also auf jeden Fall Wiederholung ohne Wiederholungen geht's glaub' ich nicht.

00:26:31: Ja du brauchst auf jeden fall so ein irgendwas was eigentlich als Fläche aufbaut oder als einen Hintergrund, auf dem man sich dann betten kann.

00:26:40: Diese ganzen Bassmodell Sachen, die fallen da sicherlich auch drunter ne?

00:26:44: Wenn du immer wieder...

00:26:45: Ja genau so Turn-Arounds quasi oder da habe ich auch getragen gedacht beim Techno oder elektronische Tanzmusik geht es natürlich dann auch darum, also so eine Vierschichtigkeit zu schaffen von verschiedenen langen Wiederholungen sozusagen.

00:27:04: Oder wo man dann eigentlich auch eine Komplexität des Höhrens die sich weg bewegt von einer Ichfolge der Melodieton für Ton und hin zu einem globalen Eindruck weil Tanzmusik oft unterscheiden kann zwischen euch, ich bin jetzt hier in der Trio-Ebene oder ich bin in der halben Ebene oder in der achte Ebene.

00:27:29: Also dass es eigentlich eine Flächigkeit bekommt die fast statisch wird und nicht so sehr auf ebender horizontale Ziegerichtheit aus ist.

00:27:42: Ich hätte gedacht irgendwie das geht um Steigerungen.

00:27:44: also in all diesen Sachen wo das so dieses Gefühl vielleicht passieren könnte oder evoziert werden soll wird irgendwas gesteigert und sei es nur, dass die Verlängerung...die Wiederholung immer mehr verlängert wird.

00:27:59: Also auch selbst.

00:28:01: also wenn du jetzt so ein immer das gleiche Muster hast dann wird's aber immer lauter oder immer höher der Hochzeitsklassiker.

00:28:10: Geht ja auch bei Altermusik Pachelbel Kanon in D. Das ist ja am Anfang geht das langsam los und am Ende ist so jäh sechzehntel und höhere Tonlage.

00:28:22: Und das ist so eine Steigerung, aber auch bei anderen Stücken wo es extensiv um Wiederholungen geht gibt's ja im dem Sinne auch ne Steigering einfach weil die Zeit immer länger wird in der das stattfindet ohne dass etwas nennenswert anderes passiert.

00:28:41: Ja, das habe ich auch gerade gedacht.

00:28:44: Und ihr habt ja auch zwischendurch mal gesagt, das gerollte er war grad total ansprechend oder ich glaube du hattest mich zwischndurch dann auch gerade Stimme und ich habe mich auch gefragt ob da einfach so eine gewisse Faszination weil es ist ja jetzt in der elektronischen Dance Music.

00:28:59: Es ist ja auch so dass man einfach viel oder eigentlich das meiste sammelt also die wenigsten produzieren ja selber und dann gibt's halt immer wieder so Momente wo man als Zuhörerin oder als Besucherin so ein Element hört was einen vielleicht irgendwie auch fasziniert, wo man dann irgendwie sich nochmal so abgeholt fühlt neu.

00:29:14: Und das hatte ich ein bisschen mit den Externate Vocal Techniques weil es war jetzt selten so dass sich Sachen an einer anderen Stelle gedoppelt haben oder dass man das cool hatte.

00:29:22: Da fehlte jetzt eine Dramaturgie und ich hatte immer das Gefühl die waren sehr bewusst eingesetzt und das fand ich irgendwie spannend.

00:29:28: Weil man hört ja auch oft von DJs, dass sie sagen, das ist super wichtig ist so den Raum zu lesen.

00:29:34: also was braucht man?

00:29:35: Wann kann man irgendwie die Beats per Minute steigern?

00:29:37: So geht der Raum mit Komponiertes geschriebenes Stück.

00:29:42: Aber trotzdem hatte ich das Gefühl, für mich hat es das so ein bisschen

00:29:46: mitgenommen.

00:29:46: Ja, das wäre eigentlich cool wenn man das auch bei komponierter Musik ab und zu den

00:29:52: Raumfühlen kann.

00:29:52: Den Herzschlagnissen von einem...

00:29:54: Ja gar nicht, dass wir einfach in die Gesichter gucken.

00:29:57: Aber ich meine, das ist eigentlich Komposition oder?

00:30:00: Dass du den Raum lesen kannst, dass du die Zeitproportionen bestimmter Ereignisse richtig miteinander in Beziehung setzt oder so.

00:30:12: Aber das heißt noch nicht zwangsläufig, dass daraus dann auch Das Gefühl von Enthebungen aus der Zeit oder so entsteht.

00:30:21: ich

00:30:21: frage mich auch ob dieses entheben Ding nicht einfach sehr individuell ist.

00:30:25: Also es gibt glaube ich so Faktoren die dafür sorgen.

00:30:28: Das wäre die Frage nach den Parametern.

00:30:32: Ja,

00:30:33: aber wenn man es sehr runterbrechen würde könnte man auch sagen das sind dann so körperliche Faktoren.

00:30:38: also irgendwas was in sehr laut und in Herzrhythmus nähe rutscht hat jetzt schon mal wahrscheinlich die größte Chance.

00:30:49: ja aber ich meine Nimm so eine Oper wie die Soldaten von Zimmermann.

00:30:54: Die habe ich jetzt zweimal gesehen, die dauert, ich weiß nicht, wie lange und ich gehe jedes Mal raus.

00:30:59: Das sind bestimmt anderthalb Stunden oder vielleicht auch nur siebzig?

00:31:04: Ich weiß nicht.

00:31:05: Ich gehe jedes mal raus und denke mir, es hätten ja jetzt auch ne Viertelstunde sein können eigentlich oder drei Stunden also... Ich glaube, es gibt schon wirklich Möglichkeiten da irgendwie was zu tun Aber ich kann sie dir nicht erklären.

00:31:23: Wahrscheinlich saßen auch Leute, die sich dachten, da ist aber jetzt ein Nolan-Film kürzer!

00:31:35: Aber ich glaube schon dass natürlich Form etwas ist was extrem wichtig ist und eben auch bestimmte Parameter wirklich gut einschätzen zu können.

00:31:44: Und wenn ihr gerade keinen anderen Punkt habt würde ich gerne mit euch noch mal ins Ende reinhören.

00:36:30: Ich wollte gerade am Ende den Moment noch so aushalten.

00:36:32: Ich hatte das Gefühl, die Zeit stand vor allem jetzt am Ende und irgendwie... Also es ist gesungen von Juliet Frasers auch einfach eine tolle Sängerin, dass sie das total gut dieses Poröse irgendwie darstellt.

00:36:44: also ich finde das sowieso immer mega spannend wenn Sänger in quasi die Pausen oder das Atmen genauso ernst nehmen wie das Singen an sich und ich habe das Gefühl das macht sie hier total stark und ich glaube deswegen war das für mich jetzt auch ein passendes Beispiel für diese Folge.

00:37:00: Und ich glaube, sie macht das auch durch ihre Entspanntheit oder Erhabenheit also dann so spürbar für den Raum oder für uns als Hörerin?

00:37:08: Ja vielleicht ist es einfach die Frage bei welcher Tätigkeit man so macht im beruflichen Leben.

00:37:17: Man vielleicht eine Art von Flow fühlt, wo das über Konzentration hinausgeht und ein bisschen mehr wird.

00:37:22: Total!

00:37:24: Vielleicht wenn man die Möglichkeit hat und so privilegiert ist kann man dem nachgehen.

00:37:28: Aber ja, vielleicht liegt das auch vielen Berufsentscheidungen zugrunde.

00:37:32: Egal ob das jetzt der Schreinermeisterin ist oder ich spiele dann statt Pro Saune dann doch Trompete?

00:37:43: Ja also es ist ein Wahnsinns Thema immer die Zeit und ich kann das auf jeden Fall nachvollziehen dass diese Erlebnisse sehr besonders sind wenn man nicht mehr an die Zeit denkt Zeitlichkeiten anders möglich scheinen und ich kann es auch total nachvollziehen.

00:38:07: Und das ist schon ein besonderes Glück von Musikierenden, dass man so zeitlichkeiten gemeinsam definieren oder auserleben kann.

00:38:21: Das hat vielleicht auch wieder mit der Haut ... Die Musik kommt halt rein und die kommen bei allen dann doch einigermaßen gleich rein Und insofern ist es vielleicht noch mal ein anderes Flower-Erlebnis als einen Schreiner, der für sich selber irgendwie beim Hobeln die Zeit vergisst.

00:38:43: Sondern das ist eben wirklich eine geteilte Zeiterfahrung und dass Musik nicht alleine aber schon sehr besonders.

00:38:52: Insofern immer die Frage wie funktioniert das?

00:38:58: Ja und das kann ich genauso wenig erklären Die anderen, allermeisten.

00:39:04: Aber ich kann den Reiz und das Staunen darüber sehr gut nachvollziehen haben.

00:39:17: Ich finde eigentlich den Aspekt am spannendsten von dem Thema wie man es hinkriegt mit neuer Musik sowas wie so eine K-Time zu produzieren weil ich glaube mit Technomitteln so eine k-time produzieren oder in einem Rave ist...

00:39:31: Oder mit Keter?

00:39:35: Schon noch einfacher, als wenn man das auf anderen Wegen versucht.

00:39:38: Und ... Ja wie sehr denn so ein Rausch aus ist?

00:39:45: Das muss ja zwangsläufig ein anderer Rausch sein, weil es eine neue Musikrausch ist.

00:39:50: Ich glaube, das ist eines der Hauptthemen eigentlich in neuer Musik zu sagen okay, wir gehen mit Zeit um und wann verlieren wir's?

00:39:58: Also einerseits kriegt man den Grip in dieses Universalphänomen dann Meine Zeit ist anders als deine Zeit, Konzept.

00:40:08: Und dann auch noch zu sagen okay jetzt lassen wir aber irgendwie die Zeit los geht gar nicht.

00:40:13: ok ich brauche was dafür ums loszulassen.

00:40:17: da sind schon spannende Fragen wo es bestimmt auch jede Menge musiken dazu gibt.

00:40:23: ja total ich fand die frage eben spannend vor allem unter dem gesichtspunkt dass ich das gefühlt habe dass sowohl die neue musik sind als auch die klassische musik in deutschland oft an so versuchen durch ... Pseudoyunge-Projekte irgendwie neue Publikums, neues Publikum anzuwerben und dass man dann häufig in so Räume kommt wo dann sowas geklämt wird oder auch so Begriffe geklähmt werden wie Clubkultur oder hier dies das.

00:40:46: Und irgendwie fand ich die Definition spannend um da einfach mal zu gucken was gibt es vielleicht eigentlich schon?

00:40:51: welche Phänomene sind eigentlich die nachdem wir gerade suchen?

00:40:55: und eben deswegen war glaube ich für mich dieser Aspekt ist nicht der nicht kapitalgetriebenen Unterhaltung so spannend, weil dann oft halt eben so ein Aspekt reinkommt.

00:41:06: Der eigentlich gar nicht der Szene erst mal so zugehörig ist und dann häufig eine Motivation dazu kommt die dann glaube ich oft so ein bisschen dieses pseudo-junge gezogene Erscheinungsbild annimmt.

00:41:19: aber ich merke schon dass wir da wahrscheinlich noch viel zu diskutieren haben.

00:41:22: in der Zukunft vielleicht finden wieder gute Beispiele für.

00:41:27: Ich danke euch schonmal für eure Diskussion und für einen Input.

00:41:30: Wir hören jetzt noch ein Musik-Tipp von der Komponistin unseres heutigen Jingles.

00:41:56: Jetzt kommen wir noch zu unserem Türöffner des Monats.

00:42:00: Wien Modern und The Gap vergeben einen Schreibstipendium.

00:42:04: Wenn ihr gerne über zeitgenössische Musik schreibt, vergeben das Popkulturmagazin THE GAP und das Festival Wien modern ein Schreib-Stipendiam im Wert von fünfhundert Euro.

00:42:14: Ihr könnt euch jetzt bewerben bis zum fünfundzwanzigsten September zwanzig sechsundzwanzIG.

00:42:19: Alle weiteren Infos findet ihr auf thegap.at Und dann hören wir uns in einem Monat wieder.

00:42:25: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:42:26: Tschüss!

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